FU Berlin : Biologen streiten mit dem Präsidium

Biologen der FU sehen sich vor dem personellen "Kollaps". In einem Schreiben an den Tagesspiegel heißt es, "Planungswirrwarr im Präsidium" habe dazu geführt, dass drei zentrale Professuren nicht besetzt seien.

Anja Kühne
281166_0_99c11140.jpg
Nervensache. An der FU geht es um vakante Professuren, darunter in der Neurobiologie (im Bild: Nervenzellen). Foto: dpa

Eine der Stellen an der FU soll sogar gestrichen werden. „Dies wird sowohl für die Forschung in Berlin als auch für die Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich der Biologie schon im kommenden Wintersemester gravierende Folgen haben“, heißt es. Von wem das Schreiben stammt, ist nicht ersichtlich, da der Absender, der sich „Initiativgruppe Biologie“ nennt, anonym bleiben will. Vermutlich stammt der Brief aus der Professorenschaft.

Denn beigefügt ist ein Schreiben vom Januar an das FU-Präsidium. Damals machten 25 Biologieprofessoren auf die Lage des Instituts aufmerksam. Demnach hat das Präsidium der FU im Januar über drei vakante Professuren einen Besetzungsstopp verhängt. „Wir verwahren uns dagegen, finanzielle Engpässe der Freien Universität überproportional durch unseren Fachbereich abzudecken“, schrieben die 25 Professoren. Stellen für das im Exzellenzwettbewerb von FU und HU eingeworbene Cluster „Neurocure“ müssten neu geschaffen und nicht aus dem Bestand der Biologie genommen werden.

Hintergrund ist nach Darstellung von Hans-Joachim Pflüger, Professor für Neurobiologie, dass die FU sich mit zwei Professuren an dem von Medizinern dominierten Cluster Neurocure beteiligten wollte. Dies sei aber entgegen einer Zusage auf zusätzliche Stellen nur durch Umwidmung frei werdender Professuren in der Biologie möglich: Die Professuren müssten in Zukunft stark auf die medizinische, nicht aber auf die biologisch-organismische Grundlagenforschung ausgerichtet sein. „Biologie hört aber nicht an der Zellmembran auf“, sagt Pflüger. Weil die Biologen sich dem Wunsch des Präsidiums nach einem Wechsel der Schwerpunkte nicht gebeugt hätten, seien sie wohl mit dem Stellenstopp bestraft worden. Sogar die schon vom Präsidium genehmigte Wiederbesetzung der Professur des emeritierten Neurobiologen Randolf Menzel sei betroffen. Pflüger hat aus Protest sein Amt als Geschäftsführender Direktor des Instituts niedergelegt, ebenso sein Stellvertreter, der Biologie-Professor Hartmut H. Hilger. „Das Präsidium produziert hinsichtlich der Biologie nur Chaos. Alle drei Wochen gibt es eine neue Anweisung“, sagt Pflüger. Am gestrigen Mittwoch haben Studierende eine Vollversammlung abgehalten.

Dirk Krüger, Professor für Didaktik der Biologie und seit drei Wochen Pflügers Nachfolger, sagt, er bemühe sich um „konstruktive Gespräche“ mit dem Präsidium und habe auch den Eindruck, die Uni-Leitung sei gewillt, „Missstände“ zu beheben. FU-Präsident Dieter Lenzen erklärt den Besetzungsstopp zum einen mit der unsicheren finanziellen Lage der FU, die schon im Januar bestanden habe. Auch müsse die Biologie nach den Kürzungsrunden der vergangenen Jahre Schwerpunkte setzen. Sie habe lange kein entsprechendes Konzept vorgelegt. Zudem habe bei der Menzel-Nachfolge darauf geachtet werden müssen, dass sie auch in der Lage sei, „die Bedürfnisse von Neurocure zu decken“.

Inzwischen hat eine vierköpfige Kommission von Biologie-Professoren ein Konzept ausgearbeitet, das dem Präsidium am Montag vorgelegt werden soll. Die daran beteiligte Studiendekanin Tina Romeis, Professorin für Pflanzenphysiologie, ist zuversichtlich, dass das Präsidium das Konzept positiv aufnimmt. Die drei Masterstudiengänge sollten zu einem zusammengelegt werden. In diesem könnten die Studierenden dann aber ihren Schwerpunkt wählen.

Die vakante Zoologie-Professur könne dann „im Idealfall“ zum kommenden Sommersemester besetzt sein. Die Menzel-Nachfolge, die zur Hälfte im Cluster Neurocure angesiedelt sein wird, werde ebenfalls nachbesetzt. Auch die Nachfolge für die Professur in Pflanzenphysiologie sei gefunden. Eine Professur für Tierphysiologie soll es an der FU wohl nicht mehr geben, das Fach werde durch Lehraufträge vertreten. Die Professur bleibe aber im Strukturplan, hieß es aus dem Präsidium. Anja Kühne

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben