Wissen : Für forsche Nachtschwärmer

Unterwegs in Genlaboren und im arktischen Eis: Mit lebensnahen Experimenten die Welt erkunden

Tilmann Warnecke

Erklär mir die Welt in einer Nacht: Morgen öffnen wieder tausende Forscherinnen und Forscher in Berlin und Potsdam ihre Labore, um Fragen der Besucher zu beantworten. Astronomen sind ebenso dabei wie Archäologen, Nanoforscher oder Nachrichtentechniker. Praktisch alle Bereiche der Wissenschaft stellen sich vor. Hinter die Kulissen der großen Universitäten kann man gucken und kleine, hochspezialisierte Institute inspizieren – und Forschung erleben, die oft national und international Spitze ist. Denn Berlin ist nach Erhebungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft bundesweit unangefochten die Wissenschaftsstadt Nummer eins.

„Lebensnah und unterhaltsam“ wollen die Wissenschaftler ihre Arbeit präsentieren, sagt Günther Tränkle, Leiter des Ferdinand-Braun-Insituts für Höchstfrequenztechnik und dieses Jahr Vorsitzender des Kuratoriums der Langen Nacht. Besucher dürfen selber experimentieren, und Forschungsergebnisse werden auch in spektakulären dreidimensionalen Filmen gezeigt. 61 wissenschaftlichen Einrichtungen an sieben Standorten bieten 1500 Veranstaltungen an – die besten Tipps stellen wir auf dieser Seite vor.

Die Veranstalter versprechen, dass sich auch die Besucher nicht langweilen, die bereits bei den sechs vorangegangenen Ausgaben der Langen Nacht unterwegs waren: Mehr als 700 Angebote sind neu im Programm. Im Jahr der Geisteswissenschaften kommen viele Angebote aus diesem Fächerspektrum dazu. So lädt erstmals die Staatsbibliothek Berlin mit ihrem Haus Unter den Linden zu einem Streifzug durch die Buch- und Schriftgeschichte. Die Lateinamerika-Spezialisten vom Ibero-Amerikanischen Institut wollen Besuchern mit Lesungen und Filmen Mexiko und seine südlichen Nachbarländer nahe bringen.

Um den Nachwuchs kümmern sich die beteiligten Hochschulen und Institute traditionell ganz besonders. Gut ein Viertel des Programms ist auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten. Umfragen an den Berliner Schulen hätten ergeben, dass Schüler die Lange Nacht immer mehr nutzen, um sich über ihre künftigen Studienfächer zu informieren, sagt Johann Köppel, Vizepräsident für Forschung der Technischen Universität. Gerade die Natur- und Ingenieurwissenschaften, die bei Jugendlichen oft ein schlechtes Image haben, könnten sich in einem völlig anderen Licht präsentieren. Aus den Besuchern von heute, hofft Köppel, könnten so die Forscher von morgen werden. Tilmann Warnecke

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