Fukushima : Die tägliche Dosis (6)

Wie viele Löcher sind im Kessel? Dass in Fukushima ein Leck entdeckt wurde, ist für Alexander S. Kekulé eine gute Nachricht - auch wenn die großen Probleme noch lange nicht gelöst sind.

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Die Lage in der Atom-Ruine bleibt angespannt.
Die Lage in der Atom-Ruine bleibt angespannt.Foto: AFP PHOTO / HO / TEPCO

Heute entdeckten Mitarbeiter des Atomkonzerns Tepco einen Riss in der seitlichen Betonverkleidung eines vertikalen Schachtes, der zwischen Block 2 und dem Meer liegt (keinen "Riss in der Reaktorwand", wie andernorts zu lesen ist). Der etwa zwei Meter tiefe Schacht, der als Außenlager für Elektrokabel diente, ist mit dem unterirdischen Versorgungssystem verbunden, in dem bereits seit Tagen stark radioaktives Wasser steht. Die Versorgungsschächte stehen wiederum in Verbindung mit dem Keller unter dem Turbinengehäuse des Block 2, von wo das radioaktive Wasser offensichtlich kommt. Wie Tepco meldet, läuft durch den etwa 20 Zentimeter langen Riss radioaktiv belastetes Wasser in einen Abwasserkanal, der ins Meer mündet.

Das ist in der gegebenen Situation keine neue "Schreckensnachricht", wie es viele Medien heute darstellen. Dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus mindestens einem Fuskushima-Block ins Meer läuft, steht seit Tagen fest - anders sind die erhöhten Werte für Jod-131 vor der Küste nicht zu erklären. Jetzt wurde ein Leck entdeckt, durch das die Radioaktivität ins Meer gelangt. Der Riss ist einfach zu stopfen, er soll mit Beton verschlossen werden.

Auch die hohe Radioaktivität des Wassers, das hier ins Meer fließt, ist für mich eine gute Nachricht - so paradox das im ersten Moment klingen mag. Das austretende Wasser strahlt an der Oberfläche mit einer Dosis von etwa einem Sievert pro Stunde und enthält mehr als 400.000 Becquerel Jod-131 pro Liter (das entspricht dem 10.000-fachen des für Grundwasser in Japan zulässigen Grenzwertes von 40 Bq/l). Dies ist - wenig überraschend - der gleiche Wert, der auch in den Kellern, Versorgungsschächten und Kanälen unter Block 2 gemessen wurde. Die hohe Radioaktivität beweist also, dass es sich hier wirklich um eines der verzweifelt gesuchten Lecks handelt, durch das Reaktorkühlwasser ins Meer fließt. Die Aktivität von bis zu 160.000 Bq Jod-131 pro Liter, die stellenweise draußen auf See gefunden wurde, passt zu diesem Wert.

Natürlich glaubt niemand ernsthaft, dass dies das einzige Leck wäre, durch das Radioaktivität in den Pazifik fließt - wahrscheinlich sind durch das Erdbeben weitere, bisher unentdeckte Undichtigkeiten entstanden. Dass nun ein Leck entdeckt wurde und dazu leicht zu schließen ist, ist jedoch auf jeden Fall eine gute Nachricht. Und dass die Einleitung von Radioaktivität ins Meer dadurch deutlich verringert wird, ist zumindest nicht vollkommen ausgeschlossen. Damit sind die großen Probleme noch lange nicht gelöst. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, auch in Fukushima.

Für Sonntag wird schon wieder die nächste Katastrophe vorhergesagt, eine radioaktive Wolke soll nach Tokio ziehen. Dazu morgen mehr…

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