Geldsorgen : Neue Angst vor Superuni

Grüne befürchten Kostenlawine für Hochschulen.

Anja Kühne

Wird die Superuni zu einer neuen finanziellen Belastung für Berlins Hochschulen? Das befürchten die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Für die unter dem Namen Ifas (International Forum for Advanced Studies) geplante Einrichtung der Spitzenforschung sowie für den Ausbau der eingeworbenen Exzellenzcluster aus dem Elitewettbewerb drohe den drei großen Berliner Universitäten ein jährliches Defizit von 100 Millionen Euro.

Die Superuni könne zu einem „Danaergeschenk für die Hochschulen“ werden, sagte Anja Schillhaneck, die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, gestern dem Tagesspiegel. FU-Präsident Dieter Lenzen sagte zu der von den Grünen geschätzten Summe auf Anfrage: „Die Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen.“ Stützen können sich die Grünen auch auf interne Berechnungen der TU. Danach würde allein das Ifas die Unis zu Einsparungen in Größenordnung der letzten Streichrunde durch den Berliner Senat zwingen: Bis 2009 sparen die großen Unis zusammen 75 Millionen Euro ein.

Die TU rechnet damit, dass sie 37 Millionen Euro jährlich mehr braucht, allein um angesichts der steigenden Kosten in vielen Bereichen ihren jetzigen Status quo zu erhalten. Um in einer möglichen zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs konkurrenzfähig zu sein, wären weitere 36 Millionen Euro nötig.

Das von den Grünen und den beiden Unis entworfene Horrorszenario gehört zu der Debatte über die ungeliebte Superuni und den bevorstehenden Verhandlungen über die neuen Hochschulverträge. Die genannten Summen mögen übertrieben sein. Völlig unbegründet ist die Sorge, die Unis könnten auf Dauer von der Superuni und den im Elitewettbewerb eingeworbenen Clustern zu großen internen Umschichtungen gezwungen sein, nicht.

Denn im Ifas sollen auch Forscher aus Berlins Unis arbeiten, deren Leistungen an der Mutteruni dann fehlen würden. Diese Wissenschaftler würden nicht nur von ihren Unis finanziert. Auch ihre Arbeitskraft müssten die Hochschulen zusätzlich aus Bordmitteln ersetzen. Denn die von Zöllner zugesagten 33 Millionen Euro jährlich für die Superuni werden nicht reichen, meinen die Grünen.

Zuspitzen könnte sich die Belastung, wenn die zusätzlichen Gelder für die Superuni aus dem Masterplan nach 2012 auslaufen. Eine neue Regierung könnte das Ifas dann auf Kosten der Zuschüsse für die Mutterhochschulen verstetigen, sorgen sich denn auch die Grünen: „Derzeit weiß niemand, wie die mittelfristige Absicherung des Ganzen aussieht“, sagt Schillhaneck. Unklar sei auch, in welchem Umfang Berlins Unis überhaupt von der Superuni profitieren werden. Denn an den über das Ifas abgewickelten Projekten werden auch immer außeruniversitäre Einrichtungen beteiligt sein.

Die von den Grünen geschätzten Risiken für die Unis von 100 Millionen Euro ergeben sich auch aus zusätzlichen Kosten für die von TU, HU und FU eingeworbenen vier Exzellenzcluster. Diese müssten so ausgebaut werden, dass sie in einer zweiten Runde des Elitewettbewerbs gute Chancen auf weitere Förderung hätten. Werden die Projekte nach 2012 nicht weiter gefördert, müssen die Unis auch hier in die Hauskasse greifen – zu Lasten anderer Bereiche.

Schillhaneck fordert deshalb, die Verstetigung des Ifas und der eingeworbenen Projekte müssten „im Vorgriff auf die Hochschulvertragsverhandlungen von Landesseite beschlossen werden.“ Anja Kühne

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