Genforschung : Embryonen mit drei Eltern

Die Methode soll gegen Erbleiden helfen, die durch Mitochondrien weitergerecht werden.

Hartmut Wewetzer

Englische Forscher haben Embryonen erzeugt, deren Erbmaterial von zwei Frauen und einem Mann stammt. Auf diese Weise wollen die Wissenschaftler genetischen Krankheiten vorbeugen.

Das Team um Patrick Chinnery von der Uni Newcastle erforscht Erbkrankheiten, die durch defekte Gene in den Mitochondrien ausgelöst werden. Die Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ oder „Batterien“ der Zelle. Sie stammen ursprünglich von Bakterien ab, die vor Urzeiten in die Zellen eingewandert sind. Sie versorgen die Zelle mit biochemisch gespeicherter Energie. Aus ihrer Zeit als eigenständige Lebewesen haben die Mitochondrien eigene Erbanlagen behalten. Jede Zelle hat bis zu 1000 Mitochondrien. Haben die Mitochondrien schadhafte Gene, können schwere oder sogar tödliche Krankheiten die Folge sein, zum Beispiel Nerven- oder Muskelleiden.

Die Mitochondrien werden nur von der Mutter vererbt, und zwar über den Zellsaft der Eizelle. Alleinige Überträgerin von Erbleiden durch Mitochondrien ist demnach die Mutter.

Einmal angenommen, die mütterliche Mitochondrien-Erbsubstanz ist geschädigt, das Erbgut im Zellkern aber intakt. Dann könnte man den Zellkern der befruchteten Eizelle in die Eizelle einer gesunden Spenderin einpflanzen. Auf diese Weise würde der Embryo die im Zellsaft schwimmenden „gesunden“ Mitochondrien der Spenderin bekommen.

Somit enthält der Embryo das Erbmaterial von Mutter und Vater im Zellkern und das der Eispenderin – wenn auch dieses nur in Form einer Handvoll Mitochondrien-Erbanlagen außerhalb des Zellkerns. Das Erbmaterial der Mitochondrien soll keinen Einfluss auf menschliche Eigenschaften haben.

Einen ersten Schritt in Richtung einer genetischen Korrektur des Embryos haben die Wissenschaftler jetzt beispielhaft getan, wie sie auf einem Kongress mitteilten. Sie benutzten dazu einige befruchtete Eizellen. Diese „Zygoten“ waren für eine künstliche Befruchtung vorgesehen, wurden aber wegen Defekten „aussortiert“. Die Forscher entnahmen den befruchteten Eizellen den Zellkern und setzten ihn in entkernte Spendereizellen ein. Die Embryonen begannen sich normal zu entwickeln, wurden aber innerhalb der ersten sechs Tage zerstört.

„Diese Methode ist für Patienten oder ihre Verwandten, die Gefahr laufen, diese genetischen Defekte an ihre Kinder weiterzugeben“, sagte Paul Chinnery. Während eine britische Selbsthilfegruppe von Menschen mit Muskeldystrophie die Forschung verteidigte, warnten Kritiker vor Risiken und dem Erzeugen von „Designerbabys“.

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