Governance-Strategie der Humboldt-Universität : "Durchregieren nicht mehr möglich"

Nachdem der Präsident der Humboldt-Uni die umstrittene Fakultätsreform durchgesetzt hat, gibt es jetzt die dazugehörigen Governance-Grundsätze. Die dienen eher der demokratischen Kompromissfindung als der geplanten Effizienz-Verbesserung.

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Das Denkmal des Universitätsgründers Wilhelm von Humboldt vor dem Hauptgebäude Unter den Linden.
Demokratie jetzt? Das Denkmal des Universitätsgründers Wilhelm von Humboldt vor dem Hauptgebäude Unter den Linden.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Die Vorstellung, man könne in dieser Universität durchregieren, hat niemand. Oder er hat sie nur sehr kurz.“ Historikerin Gabriele Metzler brachte jetzt im Akademischen Senat (AS) der Humboldt-Universität auf den Punkt, was die neuen Governance-Grundsätze nicht seien – eine Gefahr für die Demokratie an der HU. Denn die von vielen kritisierte erweiterte Universitätsleitung, in der auch die Dekane über die Ausrichtung der Uni oder in hochschulpolitischen Fragen hätten mitentscheiden können, ist vorerst vom Tisch. Die studentischen Vertreter im AS etwa hatten befürchtet, dieser nur aus Professoren bestehende „Strategierat“ könnte Projekte des Präsidiums vorab beschließen und im AS von der Professorenmehrheit abnicken lassen.

Die Governance-Reform ist Teil des Zukunftskonzepts der HU im Exzellenzwettbewerb, damit hat sie sich verpflichtet, ihre Verwaltung effizienter zu machen. Zentral ist darin die Reform der Fakultätsstruktur: Aus bislang elf werden neun, derzeit entstehen eine gemeinsame mathematisch-naturwissenschaftliche, eine lebenswissenschaftliche und eine kultur-, sozial- und bildungswissenschaftliche Fakultät. Umstritten ist diese Reform auch wegen der Kosten von 2,9 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr, die zu weiteren Stellenkürzungen führen könnten. Um die Reform im AS durchzusetzen, war Präsident Jan-Hendrik Olbertz Anfang Dezember 2013 für 30 Minuten zurückgetreten. Das HU-Kuratorium beschloss kurz darauf unter massiven Protesten von Studierenden nur einen Teil der Reform, finanzielle Fragen wurden noch ausgeklammert.

Im allgemeinen Aufruhr wurde auch die Governance-Strategie abgemildert. Die Fassung, die nun eine Arbeitsgruppe des AS vorlegte, lese sich wie ein Leitfaden „für den Interessensausgleich und die Kompromissfindung“, urteilte die Anglistin Helga Schwalm. Dies laufe dem eigentlichen Ziel zuwider, die Strategie- und Handlungsfähigkeit der Fakultäten zu erhöhen. Tatsächlich ist viel von der „Beteiligung“ aller Ebenen und Statusgruppen und „gleichberechtigten Kommunikationsprozessen“ die Rede.

Fühlt sich ein Institut von Strukturentscheidungen oder bei der Mittelvergabe benachteiligt, kann es eine „Sperrminorität“ geltend machen. Konflikte werden in „Mediationsverfahren“ gelöst. Das Papier ermögliche „intelligente Mitbestimmung“, sei aber „noch lange keine echte Governance-Reform“, kommentierte Präsident Olbertz.

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