Großbritannien : Der Student am Steuer - dank Studiengebühren?

29.06.2011 15:51 UhrVon Matthias Thibaut
Es brennt. Londoner Studenten protestieren im Januar gegen hohe Gebühren. Foto: dpa/pa Foto: picture alliance / dpa
Es brennt. Londoner Studenten protestieren im Januar gegen hohe Gebühren. Foto: dpa/pa - Foto: picture alliance / dpa

Die Britische Regierung will die Unis zwingen, Qualitätsdaten wie die Größe von Seminaren zu veröffentlichen, um die neuen hohen Studiengebühren rechtfertigen zu können. Die Opposition warnt vor einem "Marktchaos".

Britische Studenten werden die Wahl ihrer Uni bald mithilfe von Preissuchmaschinen und Qualitätstabellen im Internet treffen. So möchte der britische Hochschulminister David Willets die zweite Stufe der umstrittenen Universitätsreform verstanden wissen. Um einen Preis-Leistungsvergleich zu ermöglichen, müssten Unis in Zukunft etliche Kriterien von der Zahl der „Kontaktstunden“ mit Dozenten bis zu den Jobchancen nach Studienabschluss transparent und vergleichbar machen.

„Studenten werden am Steuer sitzen, wenn sie Informationen haben, welche Studiengänge für sie am besten sind.

Universitäten können sich auf die Anforderungen der Studenten einstellen“, erläuterte Willetts, als er im Unterhaus das Weißbuch zur Hochschulreform vorlegte. Angaben über Seminargrößen, die Qualifikationen der Dozenten, Unterbringungskosten, Standard der studentischen Einrichtungen, sogar Informationen über die Einstiegsgehälter von Studienabgängern müssen in Zukunft offen gelegt werden. Studenten könnten notfalls die Kontrollbehörde „Quality Assurance Agency“ für eine Verbraucherbeschwerde einschalten, hieß es.

Im Herbst begann die Koalition aus Konservativen und Liberalen mit der tief greifendsten Hochschulreform seit Jahrzehnten. Der erste Reformschritt ersetzte die direkte Finanzierung der Lehre durch den Staat durch ein dramatisch ausgeweitetes Gebührenmodell. Praktisch der gesamte Lehrbereich der Hochschulen soll über Studiengebühren von bis 9000 Pfund im Jahr finanziert werden. Die Studierenden zahlen, der Staat stellt ihnen Vorabkredite zur Verfügung, die im Berufsleben zurückgezahlt werden, wenn das Einkommen eine bestimmte Grenze übersteigt. Die Gebührenreform löste im Herbst Proteste und Krawalle von Studierenden aus.

„Studenten als Konsumenten“ lautet das Argument der Regierung für die Reform. Anreize für die Universitäten, sich auf die Forschung zu konzentrieren, um Drittmittel aus der Industrie und den staatlichen Forschungsförderungen zu erhalten, gebe es genug. Das neue Finanzierungssystem solle sie dazu bringen, sich stärker auf die Bedürfnisse der Studierenden einzustellen.

Opposition und Studentenverbände warnen vor einem „Marktchaos“. Experten halten es tatsächlich für unausweichlich, dass Unis im Wettbewerb „pleite“ gehen oder von besseren übernommen werden. Denn die Reform soll dazu führen, dass mangelhafte Studiengänge verbessert werden – oder eben abgeschafft. Das könnte zur Abwicklung ganzer Fakultäten und Hochschulen führen. Zudem will über die Hälfte der Unis ab 2012 den Maximalsatz vom 9000 Pfund Studiengebühren verlangen. Trotz der von der Regierung als sozial deklarierten Gebührenkredite dürfte das auf potenzielle Studienbewerber abschreckend wirken, sagen Kritiker.

Gleichzeitig wird jedoch die Gesamtzahl der Studienplätze immer noch amtlich festlegt, damit die Studienkredite das Staatsbudget nicht überfordern. Nur Unis, die die geringsten Gebühren verlangen und diejenigen, die Studenten mit den besten Abiturzeugnissen aufnehmen, sollen nun im ersten Schritt die Erlaubnis zur Expansion der Studentenzahlen erhalten.

Heinz Sielmann Stiftung

Umfrage

Erneute Plagiatsfälle: Was läuft schief beim Promotionsverfahren?

ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen

Weitere Themen

Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit

Alles rund um's Studium

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite