Hertie-School : Die Kunst des Regierens studieren

Aus dem ehemaligen Staatsratsgebäude sind die Studierenden und Professoren der Berliner "Hertie-School of Governance" zwar gerade ausgezogen, doch auf einen Hauch von DDR-Geschichte müssen sie auch künftig nicht verzichten.

Tilmann Warnecke

Die private Hochschule hat ihr neues Quartier jetzt im ehemaligen DDR-Außenhandelsministerium in der Friedrichstraße aufgeschlagen. Gestern eröffnete Michael Zürn, der akademische Direktor der Hertie-School und Direktor am Wissenschaftszentrum Berlin, den neuen Sitz, schräg gegenüber den Galeries Lafayettes. Jetzt sei die Hochschule „endgültig im Zentrum der Republik angekommen“, sagte Zürn – wie es sich für eine Einrichtung gehöre, an der sich Forschung und Lehre ganz um die Kunst des Regierens drehen.

Mit großen Zielen ist die Hochschule gestartet, als sie 2003 gegründet wurde: Eine Schmiede für den Regierungsnachwuchs wollte sie sein. Inzwischen sei die Aufbauphase fast abgeschlossen, sagte Zürn. Dazu gehört auch der Umzug: Das Staatsratsgebäude, das man sich mit der Manager-Schule ESMT teilte, erwies sich auf Dauer als zu unpraktisch, da es zwar große repräsentative Säle, aber nicht genügend Arbeitsräume hatte. Im neuen Gebäude finden Studierende und Wissenschaftler nun reichlich Platz.

140 Studierende sind inzwischen an der Hochschule eingeschrieben, 10 000 Euro kostet ein Studienjahr. Die ersten beiden Jahrgänge haben den angebotenen „Master of Public Policy“ bereits abgeschlossen. Die Absolventen seien gut auf dem Arbeitsmarkt angenommen worden, hieß es gestern. Zwar seien weniger als gedacht in deutschen Ministerien untergekommen. Dafür gingen mehr Absolventen zu einer internationalen Organisation wie der Weltbank oder zu einer NGO, einer Nicht-Regierungsorganisation.

Zum neuen Studienjahr wird es nun ein zweites Masterprogramm zum Verwaltungsmanagement geben, das sich an Behördenmitarbeiter richtet, die bereits länger im Beruf stehen und sich weiterbilden wollen. Darüber hinaus nimmt die Hertie-School erstmals 15 Doktoranden auf. In der „Berlin Graduate School for Transnational Studies“, an sich der auch die Freien Universität und das Wissenschaftszentrum beteiligen, sollen sie im Bereich Internationale Beziehungen promovieren. Die Promotion verleiht die Freie Universität Berlin, „mittelfristig“ strebe die Hertie- School ein eigenes Promotionsrecht an, sagte Zürn. Eng kooperieren wolle man auch mit der „Berlin Graduate School of Social Sciences“ der Humboldt-Universität, die im Rahmen der Exzellenz-Initiative gefördert wird.

14 Professoren lehren und forschen an der Hertie-School. Vier weitere sollen berufen werden. Die Grundfinanzierung der Hochschule sei durch die Hertie-Stiftung langfristig gesichert, sagte Zürn. Das Budget von jährlich sieben Millionen Euro wachse durch die Einwerbung von Drittmitteln und Stipendien für Studierende weiter an. 

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