Wissen : Hightech-Strategie bringt Industrie auf Innovationskurs

Paul Janositz

„Das Klima für Innovationen hat sich verbessert; Deutschland erwärmt sich für Forschung“ – diese Bilanz zog Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Montag in Berlin. Ein Jahr nach dem Start der Hightech-Initiative hatte sie Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Innovationskongress geladen.

Für positive Stimmung hatte eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung gesorgt. Wie das Mannheimer Institut ermittelte, sind Forschung und Entwicklung für jedes dritte Unternehmen heute wichtiger als noch vor einem Jahr. Einer Hochrechnung zufolge wird die Wirtschaft für diese Bereiche 2007 etwa 7,5 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. Für 2008 seien weitere Erhöhungen geplant.

Es gibt aber auch Wachstumsbremsen. Fachkräftemangel etwa, denn der Nachwuchs an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern ist dünn gesät. So ist die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung zwar um dreieinhalb Prozent gestiegen. Doch jedes fünfte Unternehmen konnte entsprechende Stellen in letzter Zeit nicht besetzen. Dem Notstand möchte Schavan durch mehr Studienplätze und bessere Betreuung in der Lehre begegnen. So soll auch die Quote der Studienabbrecher gesenkt werden, die in Ingenieur- und Naturwissenschaften bei etwa 30 Prozent liegt.

Bis es soweit ist, müssen sich die Firmen anders behelfen. „Etwa jeder Dritte der jährlich rund 100 eingestellten Naturwissenschaftler und Ingenieure haben einen ausländischen Pass“, sagte Stefan Marcinowski, Vorstandsmitglied beim Chemiekonzern BASF. Das zeige auch, wie attraktiv der hiesige Industrie- und Forschungsstandort für ausländische Experten sei. „Deutschland braucht sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken“, war auch die Botschaft von Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Als Beleg dient der aktuelle „Handelsblatt Business Monitor“. Bei dieser Umfrage bewerteten 80 Prozent der Unternehmen die Bedingungen für Innovationen in Deutschland als gut bis sehr gut. Vor vier Jahren lag dieser Anteil nur bei 40 Prozent.

Den Stimmungsumschwung wertet Ministerin Schavan als Erfolg der Hightech-Initiative. Dafür investiere die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode 6,5 Milliarden Euro zusätzlich. Mit diesem „Hebel“ soll aus dem privaten Sektor eine sechs Mal größere Summe angelockt werden. Möglich machen dies strategische Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Als Beispiel nannte Marcinowski die Innovationsallianz „Lithium-Ionen-Batterie“. Für die Entwicklung dieser leistungsfähigen Energiespeicher stellt das Forschungsministerium in den nächsten vier Jahren 50 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Konsortium aus BASF, Bosch, Evonik, LiTec und VW steuert mit 360 Millionen Euro die sechsfache Menge bei. Paul Janositz

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