Hochschule : FU streitet wieder um Uni-Tüv

Den meisten Studiengängen an der Freien Universität fehlt ein Gütesiegel. Doch gegen die Pläne des Präsidiums gibt es Widerstand.

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Auf den Tüv warten. Die meisten Studiengänge an der FU sind noch nicht akkreditiert.
Auf den Tüv warten. Die meisten Studiengänge an der FU sind noch nicht akkreditiert.Foto: FU/David Ausserhofer

An der Freien Universität gibt es neuen Streit über die Sicherung der Qualität im Studium. In der Sitzung des Akademischen Senats (AS) am Mittwoch rangen die Fraktionen miteinander. Am Ende unterlag das Präsidium in einer Kampfabstimmung: Das Gremium beschloss eine Stellungnahme, in der es seinen Unmut über das Vorgehen des Präsidiums in Sachen Qualitätsmanagement kundtat. Die linken Gruppen im AS überstimmten die konservativen und liberalen Professoren.

Nur nach langen Querelen hatten sich im September einige sehr skeptische AS-Mitglieder durchgerungen, für die Systemakkreditierung zu stimmen. Die Bedingung dafür war, dass der AS an dem Prozess beteiligt wird. Diese Bedingung sah am Mittwoch eine Mehrheit als nicht erfüllt an. Denn das Präsidium hat zwar Uni-Mitgliedern verschiedene Gelegenheiten gegeben, sich zu beteiligen. Den Antrag auf Systemakkreditierung hat es aber im März eingereicht, ohne ihn noch einmal im AS zu diskutieren.

Aus Ärger darüber hätte der AS am Mittwoch vermutlich sogar dafür gestimmt, wieder aus dem Prozess zur Systemakkreditierung auszusteigen, ein Antrag lag auf dem Tisch. Doch FU-Präsident Peter-André Alt zog die Notbremse: Der Ausstieg aus dem Verfahren sei überhaupt nicht möglich, deswegen gebe es auch keine Abstimmung darüber.

Die Angelegenheit ist heikel. Etwa 80 Prozent der FU-Studiengänge sind nicht mit einem Gütesiegel einer Akkreditierungsagentur versehen – ein Mangel, der zumal im Ausland den Eindruck erwecken kann, die FU sei eine zwielichtige Klitsche. Die FU bewirbt sich darum um ein Tüv-Siegel für ihr Qualitätsmanagement („Systemakkreditierung“).

Studierendenvertreter im AS kritisierten das Fehlen sozialer Aspekte im Antrag. Die Sinologie-Professorin Mechthild Leutner erklärte, die Mitbestimmung werde „Kontrollmechanismen“ geopfert, „innerhalb derer die Lehrenden zu funktionieren haben“. Die Erziehungswissenschaftlerin Felicitas Thiel widersprach: Der Antrag erlaube „Autonomiespielräume“.

Die Debatte wurde zunehmend schärfer. Der Studierendenvertreter Mathias Bartelt, der seine notorische Kritik am Präsidium sonst betont förmlich vorträgt, sprach den Präsidenten im Ton eines gereizten Inquisitors an. Die präsidiumstreuen Professoren wollten ihre drohende Niederlage verhindern, indem sie mit Verweis auf die Sitzungszeit auf eine Verschiebung der Abstimmung hinwirken wollten. Als das nicht gelang, verließen zwei der Professoren unter Unmutsbekundungen den Raum. Die übrigen stimmten zwar ab, verließen die Sitzung dann aber fluchtartig, um wenigstens die von Bartelt gewünschte Abstimmung über eine Sondersitzung zu verhindern. Alt erklärte, die Uni-Mitglieder würden auch fortan noch Gelegenheit haben, sich am Prozess zu beteiligen.

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