Hochschule : Humboldt-Uni diskutiert Finanzen

Das Präsidium der Humboldt-Universität ist erleichtert darüber, dass mit den neuen Hochschulverträgen keine weitere große Sparrunde verbunden ist – doch Zukunftssorgen hegt es gleichwohl.

Anja Kühne

Denn die mit dem Senat ausgehandelte Summe für die Jahre 2010 und 2011 liegt um jeweils 1,5 Millionen Euro unter dem von der HU für sich ermittelten Bedarf, sagte Vizepräsident Frank Eveslage am Dienstag im Akademischen Senat der Uni. Problematisch an den  Verträgen sei aber zumal, dass sie möglicherweise steigende Tarife nicht berücksichtigen. Die im November mit Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) verabredete „Gleitklausel“ sei beim Finanzsenator nicht durchzusetzen gewesen, sagte Eveslage: „Zöllner konnte sein Wort nicht halten.“

Für die Jahre 2012 und 2013 hat das Land den Hochschulen noch keine festen Summen zugesagt. Denn dann sollen zwei Drittel der Mittel nach Leistung verteilt werden. Die HU geht davon aus, dass sie dann finanziell besser als in den ersten beiden Jahren der Verträge ausgestattet sein wird, sagte Eveslage. Wegen der hohen Nachfrage nach Studienplätzen werde es der HU leicht fallen, mehr Geld zu bekommen, indem sie mehr Studierende aufnimmt. Die Unis sollen die Zahl der Studienanfänger zwischen 2008 und 2013 in den Geistes- und Sozialwissenschaften um 2420 steigern, in den Natur- und Ingenieurwissenschaften um 1490. Eveslage rechnet auch damit, dass sich im neuen System die Forschungsleistungen der HU auszahlen. Die HU werde jedenfalls genau darauf achten, dass ihre Interessen berücksichtigt werden, wenn die Unis in den kommenden Monaten die genauen Modalitäten verhandeln.

Mehrere Professoren im Akademischen Senat wollten wissen, was die Formulierung im Hochschulvertrag zu bedeuten habe, die Unis hätten „eine strukturelle Nachhaltigkeit der Exzellenzinitiative“ zu gewährleisten. So fragte der Geograf Elmar Kulke, ob die HU „Sahnehauben, die uns sehr gut stehen“, zulasten von grundständigen Aufgaben, „die uns vielleicht noch wichtiger sind“, verstetigen müsse.

Eveslage erklärte, die erfolgreichen Projekte in der Exzellenzinitiative ständen nicht als „Sahnehäubchen“ im Widerspruch „zu Dingen, die wir machen wollen“, sondern dienten der Entwicklung der Uni. Die HU werde „nicht umhinkommen“, den bisherigen Strukturplan, wie vom Präsidium angekündigt, auf der Basis einer Stärken-Analyse anzupassen – also Professuren aus der Exzellenzinitiave zu verstetigen, indem als weniger zwingend eingestufte Professuren in anderen Bereichen gestrichen werden. Michael Linscheid, Vizepräsident für Forschung, sagte, für Projekte in der nächsten Runde des Exzellenzwettbewerbs seien schon jetzt 35 Vorschläge beim Präsidium eingegangen: „Es herrscht ein enormer Aufbruchswille.“ 

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