Hochschulen : Eine Vision für die TU Berlin

Die Technische Universität Berlin stellt sich neu auf: Mit einem "Zukunftskonzept 2020" sollen Stärken wie die Material- und Produktforschung ausgebaut werden. Doch für eine reibungslose Umsetzung fehlt das Geld.

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Sprudelnde Ideen. Auch ohne Krone im Exzellenzwettbewerb plant die TU jetzt mit "Zukunftskonzept".
Sprudelnde Ideen. Auch ohne Krone im Exzellenzwettbewerb plant die TU jetzt mit "Zukunftskonzept".Foto: Kai-Uwe Heinrich

In der Exzellenzinitiative scheiterte die Technische Universität Berlin noch mit ihrem Zukunftskonzept. Jetzt will sich die TU ein neues „Zukunftskonzept 2020“ geben – und hat nun in einem ersten Schritt eine „Vision“ und Forschungsfelder beschlossen, mit der sich die Uni künftig besonders profilieren will.

Unter der auf Englisch formulierten Vision „Solutions for Societal Challenges“ (Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen) will sich die TU auf sechs Bereiche konzentrieren.  Dazu gehören Material- und Produktforschung, cyber-physikalische Systeme, Energie, Mobilität/Infrastruktur, Wissens- und Kommunikationssysteme sowie Gesundheitsforschung. Das beschloss der Akademische Senat (AS) am Mittwochnachmittag einstimmig. „Die Universität hat einen großen Schritt nach vorn gemacht“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach nach der Verabschiedung.

Die sechs Felder bauen auf den vorhandenen Stärken der TU auf. Umstritten waren sie in der AS-Sitzung kaum. „Alle Fakultäten können sich darin wiederfinden“, sagte der Mathematiker Rolf Möhring, der in der AS-Kommission „TU 2020“ die Felder miterarbeitete. Den Kommissionsvorschlag hatte das Präsidium in sein bereits vorliegendes Strategiepapier übernommen.

Die Profilfelder werden durch weitere, als „Querschnittskompetenzen der TU“ beschriebene Bereiche ergänzt, die im Wesentlichen die Fakultäten der Uni widerspiegeln. Diese Kompetenzen sind Ingenieurwissenschaften, Informatik, Geisteswissenschaften, Planen und Management, Mathematik und Naturwissenschaften. Das Zukunftskonzept soll in den nächsten Monaten um andere Bausteine – wie Lehre, Verwaltung und Internationalisierung – erweitert werden.

Sehr viel kontroverser als die Inhalte der Forschungsfelder dürfte dabei diskutiert werden, wie das Konzept vor dem Hintergrund knapper Mittel überhaupt umgesetzt werden kann. Die TU steht unter enormem Spardruck, wie an den Eckwerten des Haushalts für 2013 ersichtlich ist, die im AS ebenfalls präsentiert wurden. Bisher fehlen mehr als zehn Millionen Euro. Diese „pauschale Minderausgabe“ müssen die Fakultäten und anderen zentralen Bereiche aus ihren Etats herausholen. Verantwortlich seien Kosten für Strom, Wasser, Miete und Infrastruktur, sagte Steinbach. Die Aufwüchse in den Senatszuschüssen „werden durch Tarifsteigerungen komplett aufgefressen“.

Auch langfristig fehlt Geld. Rund 110 Professuren müssen bis 2020 neu berufen werden. Würden diese so ausgestattet, wie sich die Fakultäten das wünschten, fehlten für die Neubesetzungen knapp elf Millionen Euro, sagte Steinbach: „Wir werden fantasievolle Lösungen brauchen, um diesen Engpass zu überbrücken.“ Angesichts dieser Zahlen forderte Hannelore Reiner, an der TU für Weiterbildung zuständig, die Uni dürfe nicht mehr an „Ausbau“ denken, sondern müsse sich auf „Rückbau“ einstellen. Auch der Luftfahrzeugbau-Professor Jürgen Thorbeck sagte: „Wir fahren die Uni auf Verschleiß, wie die S-Bahn in Berlin.“

Der Biotechnologe Roland Lauster skizzierte, wie die TU Verwaltungsvorgänge schlanker gestalten könne. Viele Abläufe seien nach dem „Prinzip des Misstrauens statt des Vertrauens“ organisiert, was ineffizient sei. Als Beispiel nannte er, dass kleine Handwerkertätigkeiten, wie das Verlegen einer Steckdose, zu teuer seien, weil sie zentral beantragt werden müssten. Hier würde helfen, wenn jedes Fach einen Etat erhalte, mit dem es kleinere Renovierungen selbst organisiere. Mit einem solchen „Mentalitätswechsel“ könnten „viele Ressourcen an der Universität besser genutzt werden“. Tilmann Warnecke

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