Hochschulpakt : Die Universität als Kartoffelsack

Ein Wissenschaftskongress der SPD fragt: Wie kann die Lehre besser werden?

Die Lehre an deutschen Hochschulen wird seit Jahrzehnten im Kartoffelsackprinzip organisiert. Die Studierenden werden in die Seminarräume gestopft, ohne dass für ihre Betreuung auch nur annähernd genug Personal zur Verfügung stünde. Angesichts einer neuen Studierendenwelle haben Bund und Länder zwar einen Hochschulpakt zum Aufbau neuer Studienplätze beschlossen. Doch der Pakt schwächelt. Nicht nur sind die Kosten für einen Studienplatz von Anfang an zu niedrig berechnet worden, für die nötige bessere Betreuungsrelation in den neuen Bachelorstudiengängen wurde auch nicht mehr Personal eingeplant. Ein Großteil der Länder ist seinen Verpflichtungen, Studienplätze aufzubauen, bislang nicht nachgekommen. Wie soll unter diesen Voraussetzungen die Fortsetzung des Hochschulpakts aussehen, über den Bund und Länder am 22. Oktober beim Bildungsgipfel beraten wollen?

Edelgard Bulmahn fordert, den Hochschulpakt II zu einem „Qualitätsentwicklungsprogramm“ für Bachelor und Master zu machen. „Der Zeitpunkt ist da, wir müssen es jetzt tun“, sagte die ehemalige Bundesbildungsministerin, die jetzt für die SPD im Wirtschaftsausschuss sitzt, am Freitag beim Wissenschaftskongress der SPD-Bundestagsfraktion.

Mehr Qualität im Bachelor – das wird teuer. Der Wissenschaftsrat hat berechnet, dass dafür jährlich mindestens 357 Millionen Euro ausgegeben werden müssten. Für die Jahre 2011 bis 2015, in denen es zusätzlich 200 000 neue Studienplätze geben muss, kommen somit 5,5 Milliarden Euro zusammen. Sie sei trotzdem optimistisch, sagte Bulmahn: „Mit mutlosen Forderungen erreicht man nichts.“

Studiengebühren steht Bulmahn weiter ablehnend gegenüber. An die Unionsländer gewandt, die mittlerweile Gebühren verlangen, sagte sie, Stipendien dürften nicht als „Gnadenakt“ oder nur für Hochbegabte vergeben werden, vielmehr müsse es dafür einen Rechtsanspruch wie beim Bafög geben.

Bulmahn forderte auch, bei der Wiederauflage des Hochschulpakts Sanktionen für Länder zu festzuschreiben, die die verabredete Zahl von Studienplätzen nicht aufbauen. Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, brachte sogar ein „Strafsystem“ ins Spiel.

Bulmahn schlug einen neuen Anreiz zum Aufbau von Studienplätzen vor: Ein Teil des Bundesgeldes für Studienplätze sollte nicht den Ländern, sondern direkt den Studierenden zukommen. Sie regte an, die Bildungsgutscheine aus dem Bundesgeld für den Hochschulbau zu finanzieren, dessen Zweckbindung 2013 entfällt.

Der Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung, Wilhelm Krull, kündigte eine Initiative seiner Stiftung und der Mercator-Stiftung für die Verbesserung der Lehre an. Man wolle die systematische Neukonzipierung von Bachelor-Studiengängen fördern und damit zu einer „wirklichen curricularen Reform“ beitragen, die die Hochschulen bislang schuldig geblieben seien. Die Leitfrage laute: „Was muss ein Bachelor wirklich wissen, damit er in die Arbeitswelt entlassen werden kann?“ Als Vorbild nannte Krull ein Reformprojekt an der Harvard-Universität, mit dem Bachelor-Studenten unter anderem Überblickswissen in den Lebenswissenschaften, in Mathematik und in kultureller Kompetenz vermittelt werden soll. Für die nächste Runde der Exzellenzinitiative schlug Krull vor, die Graduiertenschulen aus dem Wettbewerb herauszunehmen. Stattdessen sollten sie im Normalverfahren der DFG ausgeschrieben werden. akü/-ry

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