Humboldt-Professuren : Weltstars willkommen

Die Preisträger der Alexander von Humboldt-Professuren präsentierten sich am Donnerstagabend in Berlin als Gruppenbild mit Dame. Sieben Spitzenforscher und eine Topwissenschaftlerin wurden bei einem Festakt am Telekom-Sitz in der Französischen Straße mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet.

Paul Janositz

Der erstmals verliehene, höchstdotierte deutsche Forschungspreis ist mit 3,5 Millionen Euro dotiert, wenn die Wissenschaftler experimentell arbeiten, erhalten sie sogar fünf Millionen für fünf Jahre – finanziert vom Bundesforschungsministerium. Mit dem Preis sollen „Weltstars“ aus dem Ausland für deutsche Unis gewonnen werden, sagte der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz.

Das ist bei acht der neun im Oktober 2008 nominierten Forscher gelungen. „Ein sehr gutes Ergebnis“, betont Schwarz. Der internationale Vergleich zeige, dass etwa jede dritte Berufung auf diesem hohen Niveau scheitert, vielleicht weil anderswo ein noch verlockenderes Angebot gemacht wird. Zudem seien Spitzenforscher aus dem Ausland oft ein Maximum an Flexibilität gewöhnt, etwa bei der Rekrutierung ihres Teams oder bei der Ausstattung von Laboren.

So war es wohl auch im Falle des Genforschers Thomas Tuschl, der von der New Yorker Rockefeller-Universität an die Freie Universität Berlin wechseln sollte. Er sagte ab und beklagte sich über inkompetente Verhandlungspartner, die zu wenig auf die speziellen Erfordernisse von Spitzenforschen eingingen. Dies wies die FU zurück. Zeitweilig hatte sich auch der Bioinformatiker Burkhard Rost frustriert gezeigt, der von der TU München (TUM) umworben wurde. Von der Columbia-Universität in New York war er schnellere Entscheidungen gewohnt. Bei seinen Verhandlungen ging es auch um eine Stelle für die Ehefrau, ebenfalls Professorin an der Columbia-Universität. Hier bewährte sich schließlich das „Dual Career Office Center“ der TUM, das sich um Paare kümmert, bei denen beide Partner hoch qualifiziert sind. Auch im Fall des Quantenphysikers Martin Plenio, der vom Imperial College London nach Ulm kommt, konnte für seine Frau, derzeit Professorin an der Universität von Herfordshire, eine Stelle geschaffen werden.

Systembiologin Ulrike Gaul bringt ihren Partner mit an die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Ich freue mich, dass mit Frau Gaul eine hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerin unter den Preisträgern ist“, erklärte Forschungsministerin Annette Schavan. Sie wünsche sich, in Zukunft noch mehr Frauen für die Humboldt-Professur gewinnen zu können. Eine Frauenquote hält Schavan aber nicht für sinnvoll. Ulrike Gaul hat sich vorgenommen, an der LMU gute Wissenschaftlerinnen gezielt zu rekrutieren. Im Rahmen der Exzellenzinitiative sei ein entsprechendes Förderprogramm eingerichtet worden.

An die LMU wurde mit dem theoretischen Physiker Georgi Dvali ein zweiter Humboldt-Professor berufen. Nach Köln zog es den Neurobiologen Tamas Horvath und nach Bonn den Astrophysiker Norbert Langer. Die TU Berlin konnte den Informatiker Oliver Brock als Humboldt-Professor gewinnen, die FU Berlin den Festkörperphysiker Piet Brouwer. Paul Janositz

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