Jürgen Zöllner : „Ich habe in Berlin viel gelernt“

Nach fünf Jahren als Senator zieht Jürgen Zöllner Bilanz. In der Stadt, die er liebt, will er bleiben. Wie Berlin sein Schlusslichtranking los wird und was Zöllner seinem Nachfolger rät.

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Generationswechsel. Nach seinem Rückzug will sich Zöllner (66) in der Wissenschaft engagieren.
Generationswechsel. Nach seinem Rückzug will sich Zöllner (66) in der Wissenschaft engagieren.Foto: Mike Wolff

Herr Zöllner, als Sie 2006 nach Berlin kamen, wollten Sie es noch mal wissen: Kann ich auch Berlin? Und, konnten Sie’s?

Ich kann nur sagen, dass es mir in Berlin wahnsinnig viel Freude gemacht hat und weiterhin macht, trotz anstrengender Minuten oder Stunden. Ich habe viel gelernt, aber hoffe auch, dieser bewundernswerten Stadt etwas gegeben zu haben.

Berlin ist dafür bekannt, Schulpolitiker zu verschleißen. Woran liegt das? Sind Eltern und Lehrer hier besonders undankbar?

Den Eindruck habe ich nicht. Es ist nur so, dass viele Probleme, die es überall in Deutschland gibt, hier besonders ausgeprägt sind und viele Gegensätze aufeinandertreffen. Aber das bietet ja auch eine Chance, Entwicklungen zu beeinflussen und Vorbild zu sein für andere Teile Deutschlands. Dies ist etwa bei der Schulstruktur der Fall, wo Berlin nun wegweisend für andere Bundesländer ist.

Trotzdem fragt man sich doch, warum hier in Berlin alle Schulsenatoren zu Buhmännern werden. Sogar Sie haben hier oft auf Granit gebissen, obwohl Ihnen in den 15 Ministerjahren davor so viel geglückt war.

Ich habe nicht den Eindruck, dass ich auf Granit gebissen habe, wenn ich sehe, dass es inzwischen doch eine große Akzeptanz gibt für Veränderungen, die ich sicher auch beeinflusst habe. Aber man kann sagen, dass die Diskussionen offener und zugespitzter, ja auch leidenschaftlicher geführt werden als anderswo.

Kann die große Unzufriedenheit damit zu tun haben, dass in beiden Teilen der Stadt noch eine Subventionsmentalität aus Mauerzeiten herrscht?

Man könnte genauso gut darüber reden, was der Grund dafür ist, dass Berlin so einmalig schön ist und die dynamischste Stadt Deutschlands. Das hat natürlich auch mit der speziellen Geschichte der Stadt zu tun. Und darüber hinaus gibt es eine im Wettbewerb befindliche Medienlandschaft, die auch Detailprobleme ausführlich diskutiert – anders als in Mainz oder Düsseldorf.

Seit Jahrzehnten wird kolportiert, dass die Berliner Schulsenatoren besonders unter ihrer eigenen Verwaltung zu leiden haben. Hat sie Ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen?

Diese Verwaltung hat unheimlich viele engagierte und gute Mitarbeiter. Sie ist aber sehr groß. Eine strukturelle Änderung wäre zu erwägen mit dem Ziel, die Arbeitsebenen klarer zu trennen. Das laufende Geschäft der Schulaufsicht sollte auf Dauer vom ministeriellen Bereich getrennt werden. Denkbar wäre eine Mittelbehörde mit einem handlungs- und entscheidungsfähigen Leiter, wie in vielen Bundesländern üblich.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger im Schulressort raten? Auf die Doppelbelastung Schule und Wissenschaft verzichten?

Was nach der Wahl kommt, hängt von den politischen Konstellationen und dem verfügbaren Personal ab. Ideal wäre eine Senatsverwaltung, die nur für Bildung zuständig ist – von der Kita bis zur Schule. Neben der Schule gehört dazu auch weiterhin die Jugend. Sinn macht auch die Kombination von Wissenschaft und Kultur, wie wir sie auch schon hatten. Auch das Zusammengehen von Wissenschaft und Wirtschaft ist eine Option. Oder aber ein Zusammengehen auch noch mit der Gesundheit – weil Gesundheitswirtschaft und -wissenschaft in Berlin eine so große Bedeutung haben.

Was Zöllner über die Verbeamtung von Berliner Lehrern sagt: Lesen Sie weiter auf Seite zwei.

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