Wissen : Juniorprofs: Wunschliste zum Jubiläum Seit fünf Jahren gibt es

die Nachwuchsstellen

Amory Burchard

Als die Juniorprofessur 2002 eingeführt wurde, setzte die damalige Bundeswissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn ehrgeizige Ziele. 3000 Stellen für Nachwuchsforscher sollten geschaffen werden, der Bund steuerte eine Anschubfinanzierung von 56 Millionen Euro bei. Die Juniorprofessur, auf die Wissenschaftler nach der Promotion berufen werden können, sollte die Habilitation ersetzen. Beide Ziele sind nach fünf Jahren nicht erreicht. Die Zahl der Juniorprofessuren stagniert nach dem Auslaufen der Bundesförderung 2004 auf dem damals erreichten Niveau von rund 800 Stellen. Und nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus demselben Jahr bleibt die Habilitation als Qualifizierungsweg erhalten.

Bei einem heute beginnenden bundesweiten Symposium anlässlich des fünfjährigen Jubiläums will der „Förderverein Juniorprofessur“ eine Verdopplung der Stellen fordern. Und die Habilitation sollte zumindest als Doppelbelastung für Juniorprofessoren abgeschafft werden, sagt Kurosch Rezwan, Vorsitzender des Vereins und Juniorprof an der Uni Bremen. Denn noch immer will sich ein Drittel der Wissenschaftler auf den Nachwuchsstellen durch eine zweite große Qualifikationsarbeit zusätzlich absichern, ergab kürzlich eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung.

Der Verein der Juniorprofessoren wolle sich auch dafür einsetzen, dass die Lehrverpflichtung von heute vier bis acht Semesterwochenstunden gesenkt wird, sagt Rezwan. An der ETH Zürich müssten Assistenten nur drei Stunden lehren. Außerdem sollte für die Junioren der „echte Tenure Track“ eröffnet werden: International gelte, dass etwa 80 Prozent der Assistenzprofessoren, die positiv evaluiert werden, an ihrer Universität eine Lebenszeitstelle erhalten – und zwar ohne zusätzliches Berufungsverfahren. In Deutschland hätten bislang nur 20 Prozent der Juniorprofessoren eine Übernahme-Option. Viele müssten dabei noch gegen Mitbewerber antreten, sagt Rezwan. Ideal sei ein Modell, wie es an der Berliner Humboldt-Universität (HU) und an der Universität Bremen eingeführt wurde: Vier bis fünf Jahre, bevor ein Professor in Pension geht, wird eine Juniorprofessur mit einem ähnlichen Profil ausgeschrieben. Wenn sich der Nachwuchswissenschaftler bewährt, „erbt“ er die Stelle.

Die HU ist bei der Zahl der Juniorprofessoren bundesweit führend. Sie hatte 2006 laut Leistungsbericht des Senats 82 solcher Stellen, gefolgt von der Freien Universität Berlin (53). Göttingen beschäftigt laut CHE-Studie 49, Hamburg 45 und Bremen 37 Juniorprofessuren. Schlusslichter sind die süddeutschen Unis. Konstanz rühmt sich im Eliteantrag, mit 13 Stellen die meisten in Baden-Württemberg zu haben. Heidelberg steht noch ganz am Anfang: Ein Juniorprofessor ist im Amt, vier im Berufungsverfahren. Da liegt die TU Berlin mit 17 Stellen im unteren Mittelfeld. Die TU wolle die Juniorprofessur in den nächsten Jahren deutlich ausbauen, sagt Vizepräsident Jörg Steinbach. Das Präsidium plane auch, den Tenure Track einzuführen. Wer zwei Jahre vor Ablauf der sechsjährigen Förderung positiv evaluiert werde, solle auf eine ordentliche Professur berufen werden. In der Forschung sollten sie dort „strategisch“ eingesetzt werden, „wo sich interdisziplinäre Felder entwickeln“.

Die Exzellenzinitiative könnte der Juniorprofessur einen neuen Schub geben, hofft Rezwan. Tatsächlich setzen alle Hochschulen, die noch im Rennen sind, auf den massiven Ausbau der Nachwuchsförderung. Michael Thielen, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, appelliert an die Hochschulen, „dieses erfolgreiche Modell zur Nachwuchsqualifizierung weiter zu etablieren“. Das deutsche Wissenschaftssystem müsse sich im internationalen Wettbewerb um die besten Talente besser als bisher aufstellen. „Dazu gehört auch das Angebot echter Tenure-Optionen“, sagte Thielen dem Tagesspiegel. Amory Burchard

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