Kolumne : Aha: Warum haben Männer einen Bierbauch?

Männer haben eine Problemzone - den Bauch. Bereits unter den 35-Jährigen sind Normalgewichtige in der Minderheit.

Thomas de Padova

Frauen setzen Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln an. Es ist schwer wieder loszuwerden. Denn es wird dort, genetisch bedingt, als Polster für Schwangerschaft und Stillzeit gespeichert.

Männer haben eine andere Problemzone: den Bauch. „In Deutschland sind normalgewichtige Männer bereits vom 35. Lebensjahr an in der Minderheit“, erläutert Helmut Heseker von der Uni Paderborn, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Immer mehr und immer jüngere Menschen sind übergewichtig, sagt Heseker.

Im Lauf der Evolution hat es sich als vorteilhaft herausgestellt, bei Nahrungsüberangebot Energie in Form von Fett zu speichern. Auf gute folgten magere Zeiten. „Daher hat der Körper leider keinen Mechanismus entwickelt, der uns vor zu hohen Energiereserven schützt.“

In den Industrieländern hat das Fettdepot seine ursprüngliche Bedeutung eingebüßt. Überflussgesellschaften zeichnen sich durch zu viel kalorienreiches Essen und zu wenig Bewegung aus. Je weiter die körperliche Aktivität im Alter zurückgeht, umso eher wächst der Bauch.

Was aber ist des prallen Bäuchleins Füllung? Ist’s eine Haxenwampe? Ein Knödelfriedhof? Oder ein Bierbauch?

Bier hat weniger Kalorien als Apfelsaft oder Rotwein. Aber es wird oft in größeren Mengen getrunken. Denn Biertrinken ist eine soziale Angelegenheit. Außerdem regt es den Appetit an. Das Tückische dabei: Die Kalorien, die wir übers Bier aufnehmen, werden vom Körper kaum wahrgenommen. Auch wenn wir abends zur Pizza statt Wasser einen halben Liter Bier trinken, hören wir nicht eher auf zu essen.

Bier ist also verdächtig. Männerbäuche sind aber meist Folge einer Kombination aus Überernährung und Bewegungsmangel. Damit steigt das Risiko für den Diabetes mellitus oder die koronare Herzerkrankung. „Wenn man sein Gewicht auch nur um fünf bis zehn Prozent verringert, hat das bereits erheblichen Einfluss auf die Gesundheit“, sagt Heseker. Er empfiehlt: Öfter mal Wasser statt Bier und weniger fettes Essen. Und Ausdauersport mit mäßiger Belastung. Thomas de Padova

Eine Auswahl der Aha-Kolumnen von Thomas de Padova ist soeben als Taschenbuch erschienen: „Wissenschaft im Strandkorb“ (Piper Verlag, 160 Seiten, 7 Euro)

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