Wissen : Konfetti für Biedenkopf: Semesterstart an der HU

Kurt Biedenkopf, ehemaliger sächsischer Ministerpräsident, hat die deutschen Universitäten aufgefordert, „ihre Ideale nicht aufzugeben“. Derzeit gebe es im Hochschulbereich die Tendenz, die Forschung von der Lehre zu lösen, sagte der CDU-Politiker am Montag zur Eröffnung des Akademischen Jahres an der Humboldt-Universität. Es sei jedoch „keine wie auch immer geartete Spitzenforschung“ in der Lage, ohne die Lehre einen „ganzheitlichen Blickwinkel“ einzunehmen, sagte Biedenkopf, der in den sechziger Jahren Rektor der Ruhr-Universität Bochum war. Die deutschen Universitäten seien „von Auszehrung bedroht“, weil an ihnen zu wenig interdisziplinär gearbeitet werde.

Den Studierenden im Audimax der HU riet Biedenkopf, sich an der Uni für ein „Jahrhundert der Begrenzungen“ zu rüsten. Sie sollten für die Probleme der Zukunft – „Mangel an Wasser, Nahrung, gesunder Luft“ – in ihrem Studium nach Lösungen suchen. Überdies müssten sie sich darauf einstellen, „bis zum 67. Lebensjahr und darüber hinaus zu arbeiten“. Die Studierenden im überfüllten Audimax der HU quittierten Biedenkopfs ernste Rede mit starkem Applaus – und warfen überraschend Konfetti von der Empore des Saals.

Christoph Markschies, der Präsident der Humboldt-Universität, hatte zuvor die Neuimmatrikulierten begrüßt: Sie begännen ihr Studium „in wahrlich aufregenden Zeiten“. Die Studierenden sollten sich jedoch „nicht verängstigen“ lassen. „Überhastete“ Bildungsreformen seien in den letzten 200 Jahren nie „Stil dieses Hauses gewesen“. Reformen von Studium und Prüfungen, die manchen bedrohlich erscheinen mögen, seien den Universitäten „nicht durch Kräfte von außen aufgezwungen worden“. Sie seien vielmehr im „Interesse aller“. Man wolle an der HU „schließlich keinen kalten Kaffee ausschenken“, sagte Markschies. tir

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