Kooperationen : Lage im Iran – Kooperationen gefährdet?

Die Situation im Iran beschäftigt auch die Forscher an den Berliner Hochschulen. Vor allem an der Technischen Universität, die mehrere Kooperationen mit dem Iran hat.

Ralf Nestler

Im größten Projekt „Young Cities“ sind zwei Dutzend TU-Forscher aus 12 Fachgebieten beteiligt. Um der Wohnungsnot zu begegnen, plant die iranische Regierung 20 neue Städte, jeweils mit mehreren 10.000 Einwohnern. Die TU-Forscher arbeiten in einer dieser neuen Städte, Hashtgerd New Town. Dort versuchen sie, durch die Gestaltung der Wohnquartiere, aber auch durch den Einsatz moderner Baustoffe die Siedlung energieeffizient zu machen. Erst im Mai war Grundsteinlegung für ein Modellobjekt, sagt der Projektleiter Rudolf Schäfer.

Inwiefern die Lage in Teheran Auswirkungen auf das mit sechs Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt hat, kann er derzeit nicht einschätzen. „Von außen kann man die Lage sehr schlecht bewerten“, sagt er. „Aber ich bin optimistisch, dass die gute fachliche Kooperation, die wir erreicht haben, auch künftig bestehen bleibt.“

Sebastian Seelig, der in dem Projekt mitarbeitet, hatte auch am gestrigen Mittwoch noch E-Mail-Kontakt mit den Kollegen im Iran. „Auf fachlicher Ebene arbeiten wir weiterhin gut zusammen“, berichtet der Stadtplaner. „Die Politik ist in unserer Kommunikation allerdings kein Thema.“ Anders verhält es sich bei den Gesprächen mit den iranischen Forschern, die hier an der TU Berlin arbeiten. Da sei der Kontakt persönlicher und es werde auch über die aktuelle Situation in dem Land gesprochen. „Die Kollegen sind sehr aufgeregt und gespannt, wie sich die Lage dort entwickelt“, berichtet Seelig. Schließlich hätten viele noch ihre Familie im Iran.

An der Freien und der Humboldt-Universität gibt es weniger Kooperationen mit dem Land. Allerdings startete im vergangenen Jahr an der FU ein Austauschprogramm für Studenten und Wissenschaftler, das bisher elf Iraner nach Berlin führte. Auch die zuständige Programmkoordinatorin an der FU, Caroline Neumann, kann noch nicht abschätzen, wie sich die aktuelle Lage langfristig auswirken wird: „Es ist aber nicht auszuschließen, dass der Austausch von Wissenschaftlern negativ beeinflusst wird.“

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