Kulturelle Evolution : Je größer die Gruppe, desto komplexer wird die Kultur

Wie gut Menschen Kulturtechniken entwickeln und dieses Wissen über Generationen weitergeben, hängt von der Größe der sozialen Gruppe ab, in der sie leben.

Traditionsbewusst. Geigenbauer geben ihr Handwerk seit Jahrhunderten weiter.
Traditionsbewusst. Geigenbauer geben ihr Handwerk seit Jahrhunderten weiter.Foto: picture alliance

Dies gelte besonders für die Frühzeit der Menschheit, aber auch noch im Mittelalter, schreiben Forscher um Maxime Derex von der Universität von Montpellier II im Fachblatt „Nature“.

Derex und ihre Kollegen teilten 366 Probanden in Gruppen von zwei, vier, acht und sechzehn Spielern ein und ließen sie am Computer zwei unterschiedlich schwere Aufgaben lösen. Bei der einfachen Aufgabe sollten sie Punkte in 15 Schritten zu einer Pfeilspitze verbinden. Bei der schweren mussten sie in 39 Schritten ein Fischernetz erstellen.

Kleine Gruppen meisterten die einfache Aufgabe konstant gut, verschlechterten sich aber im Laufe der Zeit bei der schweren. Die größeren Gruppen verbesserten sich bei der einfachen Aufgabe, die Leistungen bei der schweren blieben konstant. „Diese Spieler konnten auf mehr Beispiele für die Lösung der Aufgaben zurückgreifen und lernten so schneller von ihren Mitspielern“, sagt Derex.

Die Ergebnisse demonstrierten, wie sich die Gruppengröße auf die kulturelle Evolution auswirkt. Wie wichtig die Weitergabe von Wissen ist, zeigte sich besonders, wenn die Bevölkerung in früherer Zeit durch Krankheiten oder Naturkatastrophen stark dezimiert wurde. Dann gingen nicht nur wichtige Fähigkeiten verloren, oft brach die ganze Gesellschaft zusammen. Ob die Erkenntnisse heute noch anwendbar sind, ist unklar: „Das Internet und die moderne Kommunikation haben die Weitergabe von Kulturtechniken sehr verändert.“ wsa

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