Leibniz-Gemeinschaft : Abschied von Bonn, willkommen in Berlin

Die Leibniz-Gemeinschaft ist als erste der vier großen Wissenschaftsorganisationen ganz nach Berlin umgezogen. Bei der Präsentation der neuen Zentrale versprach der Staatssekretär für Forschung mehr Geld für die außeruniversitären Institute.

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Chaussee-, Ecke Invalidenstraße: Einst residierte dort die IHK der DDR.
Chaussee-, Ecke Invalidenstraße: Einst residierte dort die IHK der DDR.Foto: Wikipedia/Beek100

„Berlin ist der Wissenschaftsstandort in Deutschland und das Zentrum der Forschungspolitik.“ Deshalb sei die Leibniz-Gemeinschaft jetzt mit ihrem gesamten Stab von Bonn in die Hauptstadt umgezogen, sagte Präsident Karl Ulrich Mayer am Freitag in Berlin. Mit der Leibniz-Gemeinschaft hat sich die erste der vier großen außeruniversitären Institutionen für den Hauptsitz Berlin erschienen; die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Helmholtz-Gemeinschaft haben in der Hauptstadt Geschäftsstellen, den juristischen Sitz aber in München oder in Bonn.

Eingezogen ist die Leibniz-Gemeinschaft in das Haus der Industrie- und Handelskammer (IKH) der DDR, Chaussee- Ecke Invalidenstraße. Das passt zum Wechsel des Senatsressorts. Waren die außeruniversitären zuvor in der Verwaltung für Bildung und Wissenschaft angesiedelt, gehören sie im SPD-CDU-Senat zum neu formierten Ressort Wirtschaft, Technologie, Forschung. Gegen den Zuschnitt hatten die Wissenschaftsorganisationen Ende 2011 vehement protestiert. Er sei noch immer „nicht glücklich“ mit der Lösung, sagte Mayer jetzt, und hoffe, dass die Trennung von Wissenschaft und Forschung nicht die intensiven Hochschulkooperationen der Leibniz-Gemeinschaft schwächen wird.

Nicolas Zimmer (CDU), Staatssekretär für Forschung, versprach den Instituten in der Wirtschaftsverwaltung „mehr Aufmerksamkeit“, als sie bisher bekommen hätten. Der Wechsel könnte sich auch finanziell lohnen, sagte Zimmer. Der Haushaltstitel für die außeruniversitäre Forschung belaufe sich im Haushaltsplanentwurf für 2012/13 auf zehn Millionen Euro, das seien sechs Millionen mehr als im Entwurf des alten Senats. Laut der Abteilungsleiterin Forschung in der Wirtschaftsverwaltung, Jutta Koch-Unterseher, sei das Geld für Kofinanzierungsanteile des Landes bestimmt. Man schaffe neuen Spielraum für Projekte, die sich um eine Förderung durch das Bundesforschungsministerium oder den Europäischen Forschungsrat bewerben wollen.

Leibniz-Chef Mayer äußerte sich auch zum Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das wie berichtet trotz eines negativen Evaluationsergebnisses vorerst weitergefördert wird. Man wolle dem bereits in der Vergangenheit scharf kritisierten Institut „noch einmal eine Chance geben“. Eine wichtige Stimme im Kreis der Wirtschaftsforschungsinstitute sei das IWH wegen seines Auftrages, die ökonomische Transformation in Ostdeutschland und Osteuropa zu begleiten. Das Institut erhalte eine komplett neue Leitung, werde auch inhaltlich neu ausgerichtet. Erneut evaluiert wird es dann nicht wie üblich nach sieben, sondern schon nach drei Jahren. „Und dann muss man dort wirklich etwas vorzeigen“, sagte Mayer. Drei weitere Wirtschaftsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft, das DIW in Berlin, das IFO-Institut München und das RWI Essen, werden in diesem Jahr evaluiert.

Die Berliner Zentrale hat 40 Mitarbeiter, die 13 Berliner Leibniz-Institute beschäftigen 2500 Menschen. Bundesweit unterhält die Gemeinschaft 86 Institute. Aus dem Jahresetat von 1,4 Milliarden Euro fließen 150 Millionen nach Berlin, sagte Mayer.

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