Leibniz-Nacht der Wissenschaften : Die Institute laden zur Entdeckung ein

Übersicht über das Angebot der Institute während der Langen Nacht am 10. Mai in Berlin und Potsdam

Bettina Mittelstrass

Berlin hat unzählige Forschungseinrichtungen, deren Tore in der Langen Nacht der Wissenschaften öffnen. Allein die Leibniz-Gemeinschaft – der mit 89 Instituten größte deutsche Forschungsverbund – hat in der Hauptstadtregion 21 wissenschaftliche Institute und ist zusätzlich mit acht Außenstellen und drei Büros bundesdeutscher Forschungsinstitute in Berlin und Brandenburg vertreten. Wo auch immer die Besucher der „Klügsten Nacht des Jahres“ sich aufhalten: Sie werden auf den blauen Schriftzug der Leibniz-Gemeinschaft mit der Unterschrift des berühmten Philosophen stoßen.


STANDORT ADLERSHOF

Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie

Es geht um Licht und Laser, um Ionen und Photonen am Max-Born-Institut – und wer jetzt an Science-Fiction denkt, der irrt nicht ganz. Die Leibniz-Forscher arbeiten hier durchaus an den wichtigen Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts. Für das Speichern oder Übertragung von Informationen sind Laser heute unverzichtbare Werkzeuge. Vom Computerchip über Medizin bis zum Flugzeugbau: Überall arbeiten die unfassbar kurzen schnellen Blitze. Experimente, Spiele und Laborführungen laden ein, in dieser Nacht die Zukunft aufblitzen zu sehen.

Carl-Scheele-Straße 6, 12489 Berlin.

www.mbi-berlin.de

Leibniz-Institut für Kristallzüchtung

Kristall ist überall: in Schichten auf Computern oder Mobiltelefonen, aber auch da, wo Energie mit Solarzellen erzeugt wird oder Strahlen aus dem Weltall abgehalten werden sollen. Kristalle züchten, bearbeiten und charakterisieren: Auch das leistet Leibniz-Forschung mit Projektpartnern in anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie. Dabei geht es von der Grundlagenforschung über die Beschäftigung mit den Herstellungstechnologien bis zur Entwicklung neuer ausgereifter Materialien. Vom Rohstoff bis zur Anwendung kann man sich den Weg der Kristalle in der Langen Nacht von Leibniz-Forschern demonstrieren lassen.

Max-Born-Straße 2, 12489 Berlin.

www.ikz-berlin.de

STANDORT BUCH

Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Wie funktionieren Eiweiße, also Proteine, in der Zelle und welche Aufgabe haben sie dort? Das beschäftigt die Leibniz-Wissenschaftler am FMP, die damit eine sehr grundlegende Frage auf einer langen Suche nach neuen Arzneimitteln stellen. Mit modernsten Technologien erforschen sie Schlüsselprozesse im Körper und versuchen, bioaktive Moleküle zu identifizieren, die für die Behandlung von Krankheiten wie Werkzeuge genutzt werden könnten. In der Langen Nacht kann man diese Suche in den Laboren des FMP verfolgen.

Robert-Rössle-Straße 10, 13125
www.fmp-berlin.de

Berlin Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
Die Leibniz-Wissenschaftler, die sich in dem international anerkannten und in Deutschland einzigartigen Institut auf die Erforschung großer Populationen von Wildtieren in ihren natürlichen Lebensräumen spezialisiert haben, sind dieses Jahr zu Gast am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Buch sowie im Naturkundemuseum (Invalidenvalidenstraße 43, 10115 Berlin). Dort laden sie ihre Gäste ein, sich mittels Smartphone-Apps an Forschungsprojekten zu beteiligen.
www.izw-berlin.de

STANDORT POTSDAM
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Wo kann man in Deutschland bald öfter baden gehen – dann nämlich, wenn der Klimawandel kommt? Das kann man eine Nacht lang die Leibniz-Forscher vom PIK fragen. Denn die fragen ihrerseits nach der globalen Erwärmung: Ist sie unvermeidbar oder begrenzbar? Genau darum drehen sich weltweit die Debatten in Sachen Klima – und das PIK ist immer dabei. Das Leibniz-Institut ist ein Pionier in der interdisziplinären Forschung zum globalen Wandel und die PIK-Wissenschaftler auf dem ganzen Globus gefragte Experten. Zum Beispiel wenn es um praktikable Lösungen oder Strategien für nachhaltige Entwicklungen, etwa gegenüber zunehmenden Wetterextremen, geht. Ob globale Versorgungsketten gegen solche Extremwetterlagen gesichert werden können und welche Datengrundlage man für diese Beurteilung braucht, demonstrieren Wissenschaftler in der Langen Nacht.
Telegraphenberg, 14473 Potsdam
www.pik-potsdam.de

Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam
Vom Klima zur Sonne ist es nur ein kleiner Schritt. Sonnenforschung und die Entwicklung des Kosmos ist das Untersuchungsgebiet des AIP. Die Geschichte des Instituts reicht zurück bis ins Jahr 1700 zur Berliner Sternwarte. Heute arbeitet die Leibniz-Einrichtung auch im Rahmen internationaler Kooperationen. In der Langen Nacht kann man nicht nur durch das Teleskop, den großen Refraktor, einen Blick auf den Potsdamer Sternenhimmel werfen, sondern auch das 1920/21 erbaute architektonisch einzigartige Sonnenobservatorium – den „Einsteinturm“ – besuchen, der bis heute wissenschaftlich genutzt wird.
www.aip.de

STANDORT FRIEDRICHSHAGEN
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
In der Nacht lässt sich nicht gut sehen am Müggelsee – oder doch? Um auch über dieses Thema zu debattieren und zu informieren, sind die am Müggelsee arbeitenden Leibniz-Forscher für ihre Gäste in ein Kino umgezogen. Die Forschung der Chemiker, Mikrobiologen und Fischereibiologen dreht sich vor allem um die Zukunft unserer Binnengewässer. Manche dieser Entwicklungen von Gewässern unter sich wandelnden Umweltbedingungen kann man im Wissenschafts-Kino mit offenen Augen verfolgen – zum Beispiel die Folgen tagheller Nächte. Denn wenn durch die Lichter der Großstadt die Dunkelheit verloren geht: Welche Schattenseiten hat diese Lichtverschmutzung für das Leben?
Kino Union, Bölschestraße 69, 12587 Berlin
www.igb-berlin.de

STANDORT LEIBNIZGESCHÄFTSSTELLE
Chausseestraße 111, 10115 Berlin
Berlin Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Eine ganze Generation weiß nicht mehr aus eigener Erfahrung, wie die Berliner Mauer einmal ausgesehen hat. Aber die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche, die mit ihrem Fall einsetzten, betreffen auch junge Menschen. Über solche Umbrüche im 20. Jahrhundert, über Gesellschaftsgeschichte im Kommunismus und Prozesse des Wandels in der Medien- und Informationsgesellschaft forschen die Wissenschaftler am ZZF – einem der wichtigsten deutschen Institute für Zeitgeschichte seit 1945, das sich in der Langen Nacht zum ersten Mal in Mitte präsentiert.
www.zzf-pdm.de

Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS)
Architektur und Stadtplanung verraten immer etwas über Gesellschaft. Das Forschungsinstitut für sozialwissenschaftliche Raumforschung in Europa mit Sitz in Erkner beschäftigt sich daher auch mit Baugeschichte. In der Langen Nacht können Besucher Bauwerke und Stadtensembles der DDR „von oben“ entdecken, den systematischen Umbau Ost-Berlins verfolgen und mehr über Netzwerke in Stadtquartieren oder die Gefährdung von Städten durch Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen erfahren.
www.irs-net.de

Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung
„Als ich damals in der Schule war ...“ – war alles anders. Innerfamiliäre Debatten über moderne Lerninhalte, Lehrer oder soziale Dynamiken im Klassenzimmer kennt wohl jeder. Solchen gefühlten Veränderungen setzt das DIPF wissenschaftliche Erkenntnisse entgegen – auf Grundlage eines bildungsgeschichtlichen Medienarchivs, das bis 1485 zurückreicht. Wer sich also über den tatsächlichen Wandel seit den 1950er Jahren informieren will, hat dazu in der Langen Nacht Gelegenheit.
www.bbf.dipf.de

Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS)
Mathematik und Geschichte: Wie passt das zusammen? Wer den Wissenschaftlern des WIAS zuhört, die zur Langen Nacht von der seit Tausenden von Jahren faszinierenden Gedankenwelt zur „Unendlichkeit“ erzählen, könnte eine Antwort finden. Das Leibniz-Institut im Forschungsverbund Berlin, das an der Lösung komplexer Probleme bei technischen Prozessen, Elektronik oder Energieverteilung forscht, zeigt außerdem Experimente mit Organischen LEDs, die Displays beleuchten.
www.wias-berlin.de

STANDORT MITTE
Zur Langen Nacht zeigt das Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, wie digitale Methoden auch die Wissenschaft von den Tier- und Pflanzenwelten prägen (Invalidenstraße 43, 10115 Berlin, www.naturkundemuseum-berlin.de).
Mit Mitmach-Experimenten beteiligt sich eines der führenden internationalen Institute auf dem Gebiet der Rheumaforschung: Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin sucht nach den Ursachen der chronisch-entzündlichen Erkrankung (Campus Charité, Eingang Schumannstraße 21/22, www.drfz.de).
Wissenschaftliche Informationen aus Wirtschaft, Energie, Finanzen, Bildung und Forschung hält das international renommierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bereit (Mohrenstr. 58, 10117 Berlin, www.diw.de).
Und um moderne Materialien und Verfahrensmethoden geht es am Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik (Hausvogteiplatz 5–7, 10117 Berlin, www.pdi-berlin.de). mit

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