Mammographie : Brustkrebs-Früherkennung: Weniger ist mehr

Ab 50 und alle zwei Jahre – US-Experten schwächen ihre bisherige Empfehlung ab.

Hartmut Wewetzer
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Durchblick. Die Mammographie hilft, Brustkrebs früh zu erkennen. Foto:p-a/dpadpa

Bei der Früherkennung von Brustkrebs, dem Mammographie-Screening, sind amerikanische Experten zurückgerudert. Jetzt empfehlen auch die US-Fachleute, dass Frauen sich erst vom 50. Lebensjahr an die Brust röntgen lassen sollten, und das in zweijährigen Abständen. Bisher war in den USA das Screening vom 40. Lebensjahr an in jährlichen Abständen als sinnvoll erachtet worden.

Die neue Empfehlung ist weitgehend deckungsgleich mit den hierzulande geltenden Richtlinien. Der einzige wesentliche Unterschied besteht darin, dass in Deutschland das Screening für Frauen von 50 bis 69 alle zwei Jahre empfohlen wird, in den USA dagegen zweijährlich für Frauen zwischen 50 und 74.

Erarbeitet wurden die im Fachblatt „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichten Richtlinien von einem Netzwerk von sechs unabhängigen Forschergruppen, die vom Nationalen Krebsinstitut der USA bezahlt wurden. Die Wissenschaftler sichteten dazu die vorhandenen Untersuchungen. Dabei mussten die Fachleute zwischen dem Nutzen der Früherkennung und den Nachteilen der Untersuchung abwägen.

Die Analyse ergab, dass Frauen, die sich nur alle zwei Jahre röntgen lassen, wenig an Nutzen durch die Untersuchung einbüßen. Zugleich halbiert sich aber fast die Zahl der „falsch positiven“ Befunde. „Falsch positiv“ ist ein Untersuchungsergebnis dann, wenn es zu Unrecht einen Krebsverdacht nahelegt.

Frauen, die zwischen 50 und 69 an der Brustkrebs-Früherkennung teilnehmen, senken damit ihre Gefahr, an Brustkrebs zu sterben, im Mittel um 16,5 Prozent. Beginnt die Früherkennung zehn Jahre eher, dann sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 19,5 Prozent. Dieser Gewinn an Sicherheit entspricht einem Todesfall auf 1000 Frauen.

Allerdings hat der vergleichsweise geringe Zusatznutzen der Mammographie ab 40 – in der Lebensspanne zwischen 40 und 50 ist Brustkrebs eher selten – einen aus Sicht der Gutachter zu hohen Preis. Dazu zählen neben deutlich mehr „falsch positiven“ Röntgenaufnahmen auch unnötige Gewebeentnahmen und unbegründete Angst wegen des „blinden Alarms“. Hinzu kommen „Überdiagnosen“. Dabei wird ein Tumor in der Brustdrüse entdeckt und operiert, der vielleicht niemals zu einer Gefahr geworden wäre.

Nach Angaben der Experten müssen 1904 Frauen zwischen 40 und 50 zehn Jahre lang an der Früherkennung teilnehmen, damit ein Krebstodesfall verhütet wird. Zwischen 50 und 74 sind es 1339 Frauen, zwischen 60 und 69 nur noch 377. Einige Frauen sind von den Richtlinien ausgenommen, etwa jene, die wegen eines „Brustkrebsgens“ ein hohes Risiko haben. Hartmut Wewetzer

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