Max-Delbrück-Centrum Berlin : Finanzkrise beim MDC

Das Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch befindet sich offenbar in einer schweren Finanzkrise. Könnte das Auswirkungen auf die Fusion der MDC-Forschung mit der Charité haben?

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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei einem Besuch im MDC. Foto: MDC
Das MDC in Berlin-Buch ist eines der bedeutendsten biomedizinischen Institute in Deutschland. Auf dem Bild der Regierende Klaus...Foto: MDC

In der vergangenen Woche hat das Kuratorium des biomedizinischen Forschungsinstituts überraschend Vorstandsmitglied Cornelia Lanz abberufen, wie das MDC am Montag bestätigte. Lanz war seit 2008 für die Administration des MDC zuständig, also für Personal und Finanzen. Auf Anfrage sagte der Leiter der MDC-Unternehmenskommunikation Josef Zens, die Einrichtung stehe tatsächlich vor finanziellen Problemen: „Wir laufen Gefahr, in ein Defizit zu zu geraten. Es gibt einen strikten Sparkurs.“

Ein zweistelliger Millionenbetrag soll fehlen

Die Höhe der fehlenden Mittel wollte Zens nicht beziffern. Laut „KMA online“, einem Newsportal der Gesundheitswirtschaft, soll sich die aktuelle Finanzierungslücke des Instituts auf eine zweistellige Millionenhöhe belaufen. Das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende MDC ist eines der größten Medizinforschungsinstitute Deutschlands. Die Probleme kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das MDC ist dabei, seine medizinische Forschung mit der Charité zum Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) zu fusionieren. Das BIG gilt als bundesweit wegweisend, weil es ein Modell darstellt, wie der Bund sich an Hochschulen finanziell beteiligen kann.

Grund für den Sparkurs sei, dass das MDC „zu schnell gewachsen ist“, sagt Zens. „Die Geschwindigkeit des Mittelzuwachses hat nicht Schritt gehalten.“ Jetzt werde ein Konsolidierungskonzept erarbeitet. Alle 60 wissenschaftlichen Arbeitsgruppen und die zehn administrativen Einheiten seien von Kürzungen betroffen. Neue Berufungen und Baumaßnahmen sollen 2014 und 2015 „gestreckt“ werden. Dem Vorstandsvorsitzenden und wissenschaftlichen Direktor, Walter Rosenthal, hat das Kuratorium im Gegensatz zu Cornelia Lanz das Vertrauen ausgesprochen. Er bleibt im Amt. Das MDC hatte 2012 einen Etat von 77 Millionen Euro, die zu 90 Prozent der Bund trägt und zu zehn Prozent das Land. Dazu kamen 20 Millionen Euro an Drittmitteln. Forschungsschwerpunkte sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und das Nervensystem.

Das MDC verwaltet auch die Fusionsmittel

In der Fusion mit der Charité fällt dem Delbrück-Centrum eine Rolle zu, die angesichts des Defizits als problematisch erscheinen könnte: Das MDC verwaltet auch das Geld, das der Bund für das BIG gibt. 2013 sind das laut Zens zwölf Millionen Euro, 2014 schon 26 Millionen Euro. Das Geld für das neue Großinstitut werde aber gesondert verwaltet, sagte Zens. Von den finanziellen Schwierigkeiten des MDC sei das BIG folglich „nicht betroffen“.

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