Medizin : Darmkrebsvorsorge rettet Leben

Deutschland ist ein Darmkrebs-Hochrisikoland. Jedes Jahr erkranken mehr als 70.000 Menschen, knapp 30.000 sterben an dem Tumor. Eine britische Studie belegt jetzt den langfristigen Erfolg der Vorsorge.

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Blick ins Innere. Darmkrebs-Vorsorge ist nicht perfekt, aber ein guter Schutz.
Blick ins Innere. Darmkrebs-Vorsorge ist nicht perfekt, aber ein guter Schutz.Foto: picture-alliance/ ZB

Tausende Erkrankte könnten durch Vorsorge gerettet werden, wie nun eine große britische Langzeit-Studie ergab. Danach senkt eine Vorsorgeuntersuchung des hinteren Dickdarms und des Enddarms die Krebsgefahr um ein Drittel. Das Risiko, an der Geschwulst zu sterben, fällt um 43 Prozent.

Darmkrebs entsteht fast ausschließlich im Dickdarm. Betroffen sind in Zweidrittel der Fälle die letzten Abschnitte des Dickdarms, genannt Mast- und Sigmadarm. Ausgangspunkt der Krebsentstehung sind in der Regel Polypen, gutartige Tumoren, wie sie bei etwa jedem Vierten auftreten. In seltenen Fällen entsteht aus Polypen Krebs. Ein Prozess, der meist mehr als zehn Jahre dauert. Bei der Vorsorge werden die Polypen entdeckt und entfernt, der Krebs so verhütet.

Die britischen Ärzte setzten in ihrer Untersuchung nicht auf die in Deutschland übliche Darmspiegelung mit dem Koloskop, sondern zunächst nur auf die Sigmoidoskopie. Sie erlaubt lediglich die Kontrolle des von der Krankheit am häufigsten betroffenen letzten Dickdarmabschnitts. Dafür ist eine Sigmoidoskopie einfacher, billiger und hat weniger Komplikationen als eine „große“ Darmspiegelung mit dem langen Koloskop, mit dem der ganze Dickdarm inspiziert werden kann.

An der Studie nahmen insgesamt 170 000 Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren teil, berichten Wendy Atkin vom Imperial College London und ihre Kollegen im Fachblatt „Lancet“ (online vorab). Rund 40 000 bekamen eine Sigmoidoskopie. Nach der Untersuchung wurde der weitere Verlauf über im Mittel elf Jahre beobachtet. Es stellte sich heraus, dass die Häufigkeit von Darmkrebs durch die Vorsorge um 33 Prozent, das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um 43 Prozent gesenkt wurde.

In jenem Bereich, der mit dem Sigmoidoskop überblickt werden kann, wurde die Krebshäufigkeit sogar halbiert. Trotzdem bleibt der Aufwand erheblich. Um einen Fall von Darmkrebs zu verhindern, müssen sich 191 Menschen einer Untersuchung unterziehen, um einen Todesfall durch Darmkrebs zu verhüten, stattliche 489.

„Der Nutzen durch diese Untersuchung ist für ein Krebs-Vorsorgeprogramm recht groß“, kommentiert David Ransohoff von der Universität von North Carolina in Chapel Hill. „Vor allem, wenn man das Ergebnis mit der Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung oder mit dem PSA-Test für Prostatakrebs vergleicht.“ Auf der anderen Seite sei eine lediglich halbierte Krebshäufigkeit nicht gerade ein berauschendes Ergebnis, das hinter den Erwartungen etwas zurückbleibe. „Die Sigmoidoskopie ist kein perfekter Schutz“, schreibt Ransohoff.

Woran liegt das? Ein Grund könnte eine statistische Verzerrung sein. Bei dem Blick in den Darm wurden natürlich auch eine Reihe von Tumoren entdeckt, die bereits vor der Untersuchung existierten, aber in der „Bilanz“ negativ für die Vorsorge zu Buche schlugen. Nach der Untersuchung hatten die Teilnehmer nur noch eine geringe Darmkrebshäufigkeit. Außerdem lässt sich die Gefahr weiter senken, wenn Patienten, bei denen Polypen entfernt wurden, sich in kürzeren Abständen untersuchen lassen.

Auf Deutschland sind die Ergebnisse nur bedingt übertragbar, weil die hierzulande übliche Koloskopie einen größeren Überblick über das Geschehen im Dickdarm und damit größere Sicherheit bietet. Allerdings gibt es keine Studie, die es in ihrer Größe und wissenschaftlichen Solidität mit der aus Großbritannien aufnehmen kann.

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