Mensastreit in Berlin und Potsdam : Hochschulpendler zahlen weiter doppelt

Die Studentenwerke in Berlin und Potsdam sind sich einig, dass Studierende in den Mensen beider Städte günstig essen sollen. Doch zuerst müssen in beiden Ländern Gesetze geändert werden.

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Ein Student steht mit seinem Essenstablett an der Mensa-Kasse.
Heimische Küche. Drei Monate lang haben die Mensen in Berlin und Potsdam "Fremdesser" gezählt - es sind unter ein Prozent der...Foto: Mike Wolff

Der Gemüse-Bratling liegt Potsdamer Studierenden, die in Berliner Mensen essen, seit einem knappen Jahr schwer im Magen. Seit dem Wintersemester 2012/13 zahlen sie den erhöhten Gästepreis. Zuvor hatten einige Landesrechnungshöfe moniert, zu viele Unipendler würden subventioniert. Daraufhin kippten die Studentenwerke in Berlin und Potsdam wie berichtet ihre gegenseitige großzügige Regelung und verlangen bis heute auch von studentischen Gästen den höheren Essenspreis.

Doch bald sollen Studierende, die in der jeweiligen Nachbarstadt leben, in den dortigen Bibliotheken lernen und in einer nahen Mensa essen, wieder verbilligt bedient werden. Die Studentenwerke bemühten sich in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Wissenschaft und dem Brandenburger Wissenschaftsministerium seit Monaten um eine studentenfreundliche Lösung, heißt es in Berlin.

In den Studentenwerks-Mensen beider Städte wurden von April bis Juni Listen ausgelegt, in die sich Studierende aus der anderen Stadt eintragen konnten. Demnach ist die Zahl der studentischen Gastesser in etwa ausgeglichen, sagt der Sprecher des Berliner Studentenwerks Jürgen Morgenstern: 278 in Potsdam Immatrikulierte trugen sich in Berliner Mensen ein, 176 Berliner Studierende in Potsdamer Mensen. Damit liege der Anteil der Pendler deutlich unter einem Prozent der Mensanutzer. Daraufhin habe man der Senatsverwaltung im Juli vorgeschlagen, den Potsdamer Studenten wie früher den ermäßigten Preis zu gewähren. Doch zum Semesterstart im Oktober wird das nicht passieren. Zwar betont die Verwaltung auf Anfrage, dass man das Anliegen der Studentenwerke „ausdrücklich“ begrüße. Zuerst müsse aber das Gesetz über das Studentenwerk entsprechend geändert werden. Derzeit werde an einem Entwurf gearbeitet. „Bis es soweit ist, bleibt es bei der augenblicklichen Regelung“, erklärt Sprecherin Beate Stoffers.

Das Deutsche Studentenwerk warnt vor Engpässen

Auch in Potsdam müssen Berliner Studierende noch länger den vollen Preis zahlen. Dort soll die großzügige Handhabung im neuen Hochschulgesetz verankert werden. Ein Entwurf liegt bereits vor, danach können die Mensen auch auswärtige Studierende durch Kooperationsvereinbarungen mit anderen Studentenwerken begünstigen. Beschlossen werden soll das Gesetz im Januar 2014.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warnt unterdessen vor Engpässen in den Mensen. Der Ausbau halte nicht Schritt mit den steigenden Studierendenzahlen, kritisierte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde am Mittwoch. Die Studentenwerke bräuchten für den nötigen Ausbau mindestens 200 Millionen Euro von Bund und Ländern. Nach der aktuellen Sozialerhebung des Studentenwerks benutzen vier von fünf Studierenden die Mensa, 82 Prozent gehen dort drei Mal in der Woche essen.

An der HU soll im Herbst die Mensa-Süd eröffnen

In der Berliner Humboldt-Universität soll dies im neuen Semester auch wieder in der sanierten Mensa Süd im Hauptgebäude möglich sein, sagte HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz jetzt im Akademischen Senat. Das provisorische Mensazelt im Hof sei ohnehin ab Mitte Oktober anderweitig vermietet.

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