Wissen : Mit besten Empfehlungen Harald Christ,

die Bildung und die SPD

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Foto: Mike Wolff
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Sieht so vielleicht Berlins neuer Wirtschafts- und Wissenschaftssenator aus? Wer gerne Kaffeesatzleserei betreibt, kam am Mittwochabend voll auf seine Kosten. Der Unternehmer Harald Christ trat bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin auf, um vor dem Managerkreis der SPD-nahen Stiftung sein Buch „Deutschlands ungenutzte Ressourcen – Aufstieg, Bildung und Chancen für alle“ vorzustellen.

Will der Multimillionär sich mit dem Buch vielleicht einmal mehr seiner Partei empfehlen, der er im Bundeswahlkampf half und für deren Berliner Landesverband er seit anderthalb Jahren Kassierer ist? Auffällig, dass ihn so viele prominente Genossen für das Buch loben: von Helmut Schmidt, über Franz Müntefering und Klaus Wowereit bis zu Frank-Walter Steinmeier (siehe Tagesspiegel vom 27. September). Steinmeier ließ es sich auch nicht nehmen, am Mittwochabend eine lange Rede auf Christ zu halten. Und Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner war da, um mit Christ zu diskutieren.

Sind das Indizien? Tatsächlich steht es in den Sternen, ob Christ im neuen Senat eine Rolle spielen kann. Und als Wissenschaftssenator wäre er ein bunter Hund. Nicht nur, weil der SPD-Vorzeigeunternehmer nicht studiert hat. Auch würde es ihm am Tisch der Kultusminister wohl nicht gefallen. Christ verspricht sich in seinem Buch wenig von den Ländern, wenn es um Bildung und Wissenschaft geht. Er fordert eine „Richtlinienkompetenz“ des Bundes. Die Länder könnten Modellversuche machen. Alle Macht dem Bund? „So weit würde ich nicht gehen“, sagte sogar Steinmeier, der gerade versucht, das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung aus der Verfassung zu kippen.

Wissenschaftssenator Zöllner gestand zwar schreckliche Versäumnisse auf Seiten der Kultusminister ein: „In der Lehrerbildung haben wir eklatant versagt. Ich habe mich geschämt.“ Er erinnerte aber auch an den wegweisenden Beschluss der Kultusminister in Konstanz 1997 zur Teilnahme an den internationalen Schulstudien auf Zöllners Antrag hin. Noch andere große Themen seien zuerst in den Ländern auf die Agenda gesetzt worden: Der Ausbau der Kitas und der Ganztagsschule habe zuerst in Rheinland-Pfalz begonnen. Und die Hochschulräte hätten sich von Baden-Württemberg auf die ganze Republik ausgebreitet. Anja Kühne

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