Nobelpreis für Chemie : Wenn die Chemie stimmt

Martin Karplus, Arieh Warshel und Michael Levitt forschen alle an amerikanischen Universitäten. Sie trafen sich jedoch in Israel.

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Martin Karplus
Martin KarplusFoto: dpa

Martin Karplus war wütend. Statt seinen Geburtstag zu feiern, saßen am 13. März 1938 alle um ein Radio herum. Keiner beachtete den 8-Jährigen. Hitlers Einzug in Wien stand kurz bevor. Die jüdische Familie floh umgehend nach Zürich und später in die USA. Die Erfahrung habe ihn geprägt, auch wissenschaftlich, schreibt Karplus in seiner Biografie. Es wurde für ihn selbstverständlich, Bekanntes hinter sich zu lassen und sich auf Neues zu konzentrieren.

Die intellektuelle Beweglichkeit ermöglichte Leistungen, die nun mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Er teilt sich den Preis mit Arieh Warshel von der Universität von Südkalifornien in Los Angeles und Michael Levitt von der Universität Stanford. Zusammen haben sie Computermodelle entwickelt, die chemische Reaktionen simulieren. Alle drei leben in den USA und haben eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Arieh Warshel
Arieh WarshelFoto: dpa

Nach dem Studium an der Universität Harvard schloss sich Karplus der Gruppe von Max Delbrück am Caltech an. Er interessierte sich für das Sehen, wandte sich aber bald der theoretischen Chemie und der Welt der Quanten zu. Nach etlichen Stationen kehrte er 1965 nach Harvard zurück. 1969 traf er bei einem Aufenthalt am Weizmann-Institut in Israel auf Arieh Warshel (1940 in einem Kibbuz geboren). Dort und in Harvard entwickelten sie ein Computerprogramm, das den Stoff Retinal modelliert. Er sorgt dafür, dass auf die Netzhaut treffendes Licht Signale zum Sehnerv auslöst.

Michael Levitt
Michael LevittFoto: dpa

Der Dritte im Bunde ist Michael Levitt. Der in Südafrika geborene Brite wechselte 1971 von der Universität Cambridge ans Weizmann-Institut, wo er Warshel traf. Als er 1974 nach Cambridge zurückkehrte, folgte ihm Warshel. Gemeinsam erarbeiteten sie ein Computerprogramm, mit dem man nicht nur die Struktur von Biomolekülen wie Enzymen simulieren konnte, sondern auch ihre Reaktionen. Das Ergebnis war revolutionär, denn es war auf jedes Molekül im Körper anwendbar. Selbst wenn kein Experiment zeigen konnte, wie die Struktur eines Eiweißes seine Funktion beeinflusst – der Computer konnte es.

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