ORIENTIERUNG : Mit Kompass und feiner Nase

Die Zahl der wandernden Tierarten können Biologen noch nicht einmal abschätzen, aber bei allen stellt sich die gleiche Frage: Wie finden sie überhaupt die richtige Route?

Viele Arten orientieren sich offensichtlich kaum anders als Menschen an Landmarken und Orientierungspunkten: „In den USA haben wir Fledermäuse mit Sendern freigelassen, die anschließend lange an einer Bahnlinie entlangflogen“, berichtet Martin Wikelski. Autobahnen und Strom- oder Telefonleitungen sind ebenfalls wichtige Leitplanken für die Wanderer der Lüfte. Vögel folgen auch Flüssen und Bergketten oder langen Halbinseln wie der Kurischen Nehrung in der Ostsee. Dort liefern die hellen Sanddünen nicht nur Orientierungspunkte, sondern heizen auch die Luft auf, und die Tiere nutzen die entstehenden Aufwinde, um Energie zu sparen. Auf hoher See, über eintönigen Landschaften oder in der Nacht aber gibt es solche Landmarken nur selten. Dort navigieren Vögel mit einer Art Magnetkompass, der zum Beispiel im Schnabel integriert sein kann.

Ob Tiere die Himmelsrichtungen auch mit Hilfe der Sterne feststellen, ist nicht ganz klar, weil solche Versuche bisher nur in Käfigen, nicht aber mit frei fliegenden Vögeln durchgeführt wurden. „Eine wichtige Rolle spielt offensichtlich auch der Geruch“, sagt Wikelski. Auch für einen Menschen mit geschlossenen Augen riechen ein abgeerntetes Getreidefeld, eine Wiese und ein Wald jeweils völlig anders. Bei ihren Untersuchungen werden Forscher vermutlich noch einige weitere Methoden finden, mit denen Tiere navigieren und sich orientieren.RHK

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