Ost-West-Vergleich : Wen Geld glücklich macht

29.12.2010 15:24 UhrVon Eckhard Stengel

Ostdeutsche unzufrieden – im Vergleich mit Wessis: Geld kann offenbar glücklich machen. Das jedenfalls meint der Bremer Glücksforscher Jan Delhey.

Der Soziologieprofessor an der privaten Jacobs University Bremen (JUB) hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die nach seinen Angaben einen engen Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück belegt: Wer mehr Geld besitze, äußere sich zufriedener über sein Leben als Menschen mit geringerem Einkommen.

Allerdings hängt laut Delhey die Bedeutung des Geldes vom allgemeinen Wohlstand einer Gesellschaft ab. In reichen Ländern definiere sich Glück weniger stark über materiellen Besitz als in ärmeren, und auch die „Glücksungleichheit“ sei geringer, wie eine weitere Studie des Bremer Professors gemeinsam mit dem Berliner Soziologen Ulrich Kohler ergab.

„Auf einem höheren Wohlstandsniveau ist das Leben durchaus für viele relativ erträglich“, erklärt Delhey. Daher stünden immer wieder Länder wie Dänemark oder die Schweiz an der Spitze weltweiter Glücks-Ranglisten, sagt der Bremer Professor, der zusammen mit weiteren Wissenschaftlern eine bundesweit einmalige „Happiness Research Group“ gebildet hat.

„Glück ist keine absolute Größe, sondern relativ“, ergänzt Delheys Kollegin Hilke Brockmann, ebenfalls Soziologieprofessorin an der JUB und Mitglied der achtköpfigen Glücksforschungsgruppe. Brockmann beschäftigt sich unter anderem mit dem Glück von Ostdeutschen. Deren Zufriedenheit nehme stetig ab – wegen des Vergleichs mit Westdeutschen. Sogar Einwanderer aus der Türkei seien glücklicher als die Einheimischen in Ostdeutschland, meint Brockmann.

Auch in China werden die Menschen laut Brockmann immer unglücklicher, trotz des rasanten Wirtschaftsaufschwungs. Die Erklärung liege wiederum in dem Vergleich mit anderen. Die soziale Spaltung habe in China gewaltig zugenommen. Die große Mehrheit verdiene zwar mehr als früher, doch der wachsende Abstand bei Einkommen, Bildung und Macht lasse viele unzufrieden werden, so Brockmann.

Arvid Kappas aus der „Happiness Research Group“ weist darauf hin, dass Glück ein flüchtiges Gut sei. „Wenn wir ständig glücklich wären mit unserer Situation, würden wir untätig werden“, sagt der Psychologieprofessor. „Es ist die stete Suche nach dem Glück, die uns motiviert und antreibt.“ Eckhard Stengel

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