Phobos-Grunt : Marsmission gescheitert

Die europäische Raumfahrtagentur gibt die Sonde „Phobos-Grunt“ auf. Auch deutsche Wissenschaftler sind vom Scheitern betroffen.

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Da war sie noch intakt. Die Sonde bei letzten Tests am Boden.
Da war sie noch intakt. Die Sonde bei letzten Tests am Boden.Foto: AFP

Die außer Kontrolle geratene russische Forschungssonde „Phobos-Grunt“ ist angeblich in Auflösung begriffen. Am 29. November hätten sich von ihr „zwei unbekannte Objekte“ abgetrennt, berichtete die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung auf Beobachtungen des kanadischen Experten Ted Molczan. Die beiden Objekte seien vom US-Luft- und Raumfahrtüberwachungskommando registriert worden.

Bereits am Freitag hatte die europäische Raumfahrtagentur Esa die Sonde aufgegeben, die den Marsmond Phobos erforschen sollte. „Wir ziehen jetzt einen Schlussstrich“, sagte der Leiter der Esa-Vertretung in Moskau, René Pischel. Der Abbruch erfolge in Absprache mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, die ihrerseits noch Rettungsversuche unternehmen wolle. Nach Berichten Moskauer Medien hat allerdings auch Roskosmos die am 9. November gestartete Mission praktisch abgeschrieben und strebt einen kontrollierten Absturz an. Die 120 Millionen Euro teure und fast 13,5 Tonnen schwere Raumsonde sollte Bodenproben vom Marsmond Phobos zur Erde bringen, kam aber wegen Triebwerksproblemen nicht über die Erdumlaufbahn hinaus. Seit dem Start hat Phobos-Grunt fast 50 Kilometer Höhe verloren und könnte nach Schätzungen von Experten zwischen dem 6. und 31. Dezember abstürzen.

An der Mission sind auch deutsche Wissenschaftler beteiligt. „Der finanzielle Schaden im Falle des Scheiterns lässt sich kaum beziffern“, sagt Jürgen Oberst vom Institut für Planetenforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof. Er und sein Team haben zwar kein eigenes Instrument auf der Sonde, doch sie waren an der Missionsvorbereitung beteiligt. „Wir haben für die potenziellen Landeplätze Bilder der Sonde ,Mars-Express’ herausgesucht, neu kalibriert und entzerrt“, berichtet Oberst. Auch Daten zum Schwerefeld haben die Adlershofer den Russen zur Verfügung gestellt, damit die geplante Landung auf dem Marsmond und der Start mit Probenmaterial zurück in Richtung Erde gelingt. „Natürlich haben wir auch auf die Messwerte gehofft, die Phobos-Grunt liefert“, sagt er. Daraus wird offenbar nichts. „Selbst wenn die Sonde wie durch ein Wunder noch aktiviert werden kann, ist es fraglich, ob sie überhaupt ihr Ziel erreicht“, erläutert Oberst. Um Gewicht zu sparen, ist der Treibstoff knapp kalkuliert. Doch mit jedem Tag Verzögerung wird die Flugbahn Erde-Phobos ungünstiger.

Härter trifft das Scheitern der Mission ein Team um Göstar Klingelhöfer von der Universität Mainz, das ein Spektrometer für die Sonde hergestellt hat. Damit sollte die chemische und mineralogische Zusammensetzung des Marsmonds genauer erkundet werden. Auf ein bis zwei Millionen Euro schätzt Klingelhöfer den Sachschaden. Versichert werden solche Instrumente in der Regel nicht, weil die Prämien zu teuer wären, fügt er hinzu.

„Der größere Verlust besteht darin, dass Forschungsarbeiten dranhängen, die nun nicht wie geplant stattfinden können“, sagt er. Zwei bis drei Mitarbeiter seien betroffen. „Wir müssen sehen, wie es für diese Kollegen weitergeht.“ Vielleicht legt Roskosmos die Mission neu auf, hofft er. Das gehe aber frühestens in zwei Jahren, weil erst dann die Positionen der Himmelskörper günstig sind. Für Promovenden und Post-docs wäre die Wartezeit wohl dennoch zu lang.

Sowohl Klingelhöfer als auch Jürgen Oberst würden trotz eines Scheiterns von Phobos-Grunt auch künftig mit Russland kooperieren. „Solche Fehler können auch anderen Raumfahrtagenturen passieren“, sagt Klingelhöfer.

Allerdings gibt es kaum Alternativen, nur wenige Agenturen starten überhaupt Sonden zur Planetenforschung. Bisher sind es die USA, Europa, Russland, Japan, China und Indien.

(mit dapd/dpa)

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