Plagiatsverdacht : EU-Kommissar für Bildung soll bei Doktorarbeit betrogen haben

Nicht nur in Deutschland, auch im Ausland bewegen Plagiatsvorwürfe gegen Politiker die Öffentlichkeit. So soll ausgerechnet der ehemalige EU-Kommissar für Bildung, der Slowake Jan Figel, bei seiner Doktorarbeit plagiiert haben

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Kopiert. Jan Figel, Ex-EU-Kommissar für Bildung, soll sich bei seiner Promotion aus EU-Broschüren bedient haben. Foto: REUTERS
Kopiert. Jan Figel, Ex-EU-Kommissar für Bildung, soll sich bei seiner Promotion aus EU-Broschüren bedient haben.Foto: REUTERS

Auch ein slowakischer Minister und die Parlamentsvizepräsidentin sollen auf nicht regelkonformen Wegen zu akademischen Titeln gekommen sein. In Thailand wurde unterdessen dem Direktor der Nationalen Innovationsagentur der Doktortitel aberkannt – bei seiner Arbeit handele es sich lediglich um die thailändische Übersetzung einer fremden, ursprünglich auf Englisch erschienenen Schrift, lautet der Vorwurf.

Jan Figel amtierte von 2004 bis 2009 als EU-Kommissar, bevor er als Spitzenmann der slowakischen Christdemokraten wieder zurück in seine Heimat wechselte. Ursprünglich hatte Figel mit dem Wirtschafts- oder IT-Kommissariat geliebäugelt, auf Wikipedia wird er mit den Worten zitiert, das Bildungs-Ressort sei „nicht seine erste Wahl“ gewesen, „aber eine Herausforderung“. Während seiner Amtszeit fand er dennoch Zeit für seine Doktorarbeit, die er 2007 einreichte. Titel der Arbeit: „Die Slowakei auf dem Weg in die EU.“

Doch jetzt stellt sich heraus, dass fast die ganze Arbeit aus EU-Broschüren und offiziellen Beitrittsunterlagen zusammenkopiert ist, wie „Spiegel Online“ berichtet. Figel soll auch um verpflichtende Doktorandenseminare herumgekommen sein. Seine Hochschule – die private St.-Elisabeth-Hochschule für Gesundheitswesen und Soziale Arbeit – habe ihn zum Dozenten ernannt und Vorträge halten lassen, was ihm als Studienleistung anerkannt wurde. Es sei fragwürdig, weswegen Figel überhaupt an der Hochschule promovieren durfte. Das gewählte Thema habe weder etwas mit Figels ursprünglichem Elektrotechnik-Studium zu tun, noch passe die politikwissenschaftliche Arbeit in das Profil der Sozialarbeiter-Hochschule.

Der Hochschulrektor, angeblich ein Freund Figels, hat laut dem Bericht zugegeben, die Promotion sei „eine Frage des Prestiges“ gewesen. Behörden wollen jetzt sowohl Figels Arbeit als auch die Hochschule überprüfen; der Hochschule droht der Entzug des Promotionsrechts.

Die Diskussion um akademische Standards wird in der Slowakei umso heftiger geführt, weil auch die Vizepräsidentin des Parlaments, Renata Zmajkovicova, in ihrer juristischen Dissertation teilweise plagiiert haben soll. Agrarminister Lubomir Jahnatek wiederum soll laut einer slowakischen Nachrichtenagentur Pflichtkurse in der Doktorandenausbildung nicht absolviert haben, bekam aber dennoch den Titel. Die Studierendenvertretung der slowakischen Unis fordert, die Fälle ebenfalls zu untersuchen.

In Thailand erregt der Plagiatsfall des Direktors der Nationalen Innovationsagentur Aufsehen. Die Chulalongkorn-Universität hat ihm bereits den Doktortitel aberkannt – laut dem Magazin „University World News“ soll es das erste Mal sein, dass die traditionsreichste und beste Uni Thailands diesen Schritt gegangen ist. Eine Untersuchung der Uni hatte ergeben, dass die 205-seitige Arbeit zu 80 Prozent plagiiert war. Der Innovationschef hatte seine Arbeit zu einem agrarwissenschaftlichen Thema im Jahr 2007 eingereicht. Ein anderer Forscher identifizierte die Promotion später als seine eigene Forschungsarbeit, die er im Auftrag der UN verfasst hatte. Sie sei lediglich vom Englischen ins Thai übersetzt worden. Der Innovationschef will gegen die Entscheidung der Uni jetzt gerichtlich vorgehen.

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