Plagiierte Charité-Chronik : Der Fall Falko Hennig vor Gericht

Die Charité fordert von dem Berliner Autor Falko Hennig 20.000 Euro Honorar zurück, weil dieser Schuld sei an einer plagiierten Charité-Chronik. Hennig bestreitet das. Die Parteien konnten sich vor Gericht jetzt nicht über einen Vergleich einigen.

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Der Autor Falko Hennig.
Der Autor Falko Hennig.Foto: Thilo Rückeis

Als die Charité 2010 ihren 300. Geburtstag feierte, gab es einen schrillen Misston: Das Klinikum musste sein offizielles Buch zum Jubiläum zurückziehen, weil große Teile der Chronik sich als Plagiate erwiesen hatten. Am Dienstag verhandelte das Berliner Landgericht über den Fall Falko Hennig versus Charité.

Hennig (42), ein von diversen Lesebühnen bekannter Berliner Autor, war vom Uniklinikum 2009 mit der Chronik beauftragt worden, er sollte ein Sammelwerk über die Geschichte der Charité-Institute zusammenstellen. Herausgeber waren der aktuelle Charité-Chef Karl Max Einhäupl, der ehemalige Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten und Jakob Hein, damals Oberarzt an der Charité, Schriftsteller und ein enger Freund Hennigs, der diesem den Job verschaffte. Das Buch erschien im Berliner de Gruyter Verlag und wurde im November 2010, kurz nach Bekanntwerden der Plagiate, „eingestampft“, wie es beim Verlag heißt.

Hennig selber hat in den von ihm bearbeiteten Kapiteln nicht plagiiert, wohl aber von ihm beauftragte Autoren, die er dazuholte, als die Zeit knapp wurde. Hennig weist die Schuld an den Plagiaten, die die Charité bei ihm sieht, zurück: Er habe die von Dritten verfassten Kapitel noch auf Richtigkeit prüfen wollen, doch das Manuskript sei von der Charité unkorrigiert in Druck gegeben worden. Geärgert hat sich die altehrwürdige Uniklinik auch über ein von Hennig verfasstes Nebenprodukt zur Chronik, „Der Eisbär in der Anatomie“, in dem er „besonders skurrile Geschichten aus der Historie“ versammelte (Eulenspiegel Verlag, 2010). Für das „kritische Büchlein“ mache ihn die Charité zum „Sündenbock“ der Chronik-Affäre, klagt der Autor.

Vor dem Landgericht jedenfalls forderte das Klinikum jetzt 20.000 Euro Honorar von Hennig zurück. Das Gericht habe am gestrigen Dienstag auf einen Vergleich gedrängt, war am Abend von Beteiligten zu hören. Danach soll Falko Hennig nur noch 5000 Euro von seinem Honorar zurückzahlen. Es kam aber nicht zu einer entsprechenden Einigung. Der Richter habe beide Parteien aufgefordert, sich zeitnah verständigen, hieß es. Andernfalls werde das Gericht am 20. März ein Urteil verkünden.

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