Polarstern : Klarschiff für die Pole

„Tag der offenen Luken“ auf Deutschlands größtem Eisbrecher, der Polarstern.

Annette Kögel

Sie machen von Bord aus Fotos auf dem Meeresboden in bis zu fünf Kilometer Tiefe – von Krebsen, Schwämmen und Würmern. Sie verfolgen Fischzüge von Robben, am unteren Rand des Packeises, und ermitteln so Folgen des Klimawandels. Sie nehmen Ausrüstung mit für Expeditionen auf dem Drifteis am Nordpol: Wissenschaftler, die auf dem Forschungseisbrecher Polarstern unterwegs sind. Das größte deutsche Forschungsschiff bringt seit 1982 internationale Expertenteams in die Arktis und die Antarktis – am Sonntag können Besucher sich bei einem „Tag der offenen Luken“ Schiff und Technik anschauen.

Wer zu einer Expedition auf den größten Forschungseisbrecher der Welt starten will, kann das auf dem Gelände der Lloyd Werft in der Brückenstraße in Bremerhaven zwischen 11 und 17 Uhr tun. An Bord und an der Pier werden Wissenschaftler ihre Arbeit mit Ausstellungen, Postern und Filmen erläutern und Kleinstlebewesen unterm Mikroskop zeigen.

Die Polarstern gehört dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, betrieben wird sie vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Das Forschungsschiff ist ein schwimmendes Labor – und es vorsorgt Wissenschaftler und Techniker in der ganzjährig betriebenen Neumayer-Station in der Antarktis mit Lebensmitteln, Material und Treibstoff. „Wir können je nach Umweltbedingungen ganz normal durch bis zu 1,20 Meter dickes Eis fahren“, sagt Ulrich Bathmann, Sektionsleiter für biologische Ozeanografie beim AWI und wissenschaftlicher Fahrtleiter bei der vergangenen Expedition in die Antarktis. „Die Polarstern ist unser Arbeitstier“, sagt Bathmann: Mit der Rammtechnik schafft sie sogar bis zu acht Meter dickes Eis. Dann muss der Kapitän vor- und zurücksetzen und gegen das Eis stoßen. An Bord verrutscht aber nichts, es sei alles „seegängig festgezurrt. Aber wenn man im Sportraum oder in den vorderen Laderäumen ist, kracht das schon ganz schön.“

An Bord gibt es Einzelkabinen, aber auch Schlafgelegenheiten für bis zu drei Personen pro Kajüte. Bislang haben auf den 46 Polarstern-Expeditionen mehr als 7600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Polargebiete erkundet – ihre Erkenntnisse sind etwa in die Berichte des Weltklimarates eingeflossen. Für die Forscher sind Klimawandel und Polkappenschmelzen keine abstrakten Begriffe.

„Für uns ist die praktische Arbeit eine Herausforderung, denn wir haben innen Temperaturen um die 22 Grad plus – und draußen das gleiche im Minusbereich“, sagt Bathmann. Klar, dass die Experten im Schichtbetrieb arbeiten, um die außergewöhnlichen Belastungen bewältigen zu können. Für Eisarbeiten verlassen die Passagiere ihr Schiff mitunter aber nicht über die normale Gangway, sondern über einen Transportkorb am Kran.

In einigen Jahren soll neben der deutschen Polarstern ein europäisches Forschungsschiff in See stechen: die „Aurora Borealis“. Auch das Bundesforschungsministerium fördet ihre Entwicklung. Ihre Besatzung soll dann sogar in mehreren Kilometern Tiefe bohren können. Doch erst einmal läuft die Polarstern in Bremerhaven ein. Sie kommt gerade aus Punta Arenas in Chile.

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