Position : Tuberkulose ist noch lange nicht besiegt

Weltweit erkranken jedes Jahr neun Millionen Menschen. In Europa machen vor allem resistente Erreger Probleme. Die Arbeit an wirksamen Impfstoffen und besseren Therapien muss daher weiter vorangetrieben werden. Ein Gastbeitrag.

von und Tom Evans
Geschädigte Lunge. Tuberkulose befällt häufig die Lunge. Röntgenaufnahmen helfen bei der Diagnose.
Geschädigte Lunge. Tuberkulose befällt häufig die Lunge. Röntgenaufnahmen helfen bei der Diagnose.Foto: dpa

Ausbrüche von Infektionskrankheiten wie Ebola, Polio und Masern verbreiten Angst. Allerdings führen sie zu nicht annähernd so vielen Todesfällen wie eine andere Seuche: Tuberkulose (TBC). Weltweit erkranken jedes Jahr neun Millionen Menschen, 1,5 Millionen sterben daran. Trotz dieser Fakten glauben gerade in Deutschland viele, dass die Schwindsucht der Vergangenheit angehört. Tatsächlich nimmt die Bedrohung durch multiresistente Tuberkulose-Erreger zu.

Gewaltige humanitäre Folgen

Gesundheitsexperten, gemeinnützige Organisationen und Forscher arbeiten mit aller Kraft daran, dieser Epidemie ein Ende zu setzen. Aber die vorhandenen Möglichkeiten reichen nicht aus. Neue Diagnoseverfahren, Therapie- sowie Präventionsmethoden, besonders ein wirksamer Impfstoff, werden dringend gebraucht. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass ein Viertel aller arzneimittelresistenter TBC-Fälle (MDR-TBC) in Europa zu Hause ist.

Stefan Kaufmann ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin.
Stefan Kaufmann ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin.Foto: Promo

Die humanitären Folgen sind gewaltig. Die Therapien sind langwierig und die Nebenwirkungen beträchtlich. Zudem sind die Medikamente zur Behandlung der multirestistenten Tuberkulose bis zu hundert Mal teurer als bei einer konventionellen Therapie.

Tuberkulose verursacht EU-weit Kosten von fünf Milliarden Euro im Jahr

Die EU und Deutschland tragen eine große Verantwortung im Kampf gegen die Tuberkulose. Unter der lettischen EU-Präsidentschaft diskutieren Ende März Minister und Experten über diese Krankheit. Deutschland sollte sich dabei für mehr Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Kontrollmöglichkeiten gegen Tuberkulose einsetzen.

Tom Evans ist Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Biotechnologie-Organisation Aeras.
Tom Evans ist Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Biotechnologie-Organisation Aeras.Foto: Promo

Die ökonomischen Auswirkungen werden völlig unterschätzt. Arbeitsausfälle und Behandlungskosten von Tuberkulosepatienten kosten die Volkswirtschaften der EU jährlich fünf Milliarden Euro, also zehn Mal so viel wie die geschätzten Kosten für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs. Deutschland allein büßt 50 Millionen Euro durch fehlende Produktivität und Gesundheitskosten in Folge von Tuberkulose-Erkrankungen ein – Tendenz steigend, aufgrund der zunehmenden arzneimittelresistenten TBC-Fälle.

Hoffnung auf einen Impfstoff

Es gibt Fortschritte, gerade bei den Impfstoffen. Mittlerweile werden 15 neue Wirkstoffe klinisch erprobt. Auch deutsche Institute und Unternehmen der Biotechnologie sind maßgeblich beteiligt. Um Tuberkulose wirksam zu bekämpfen, ist eine weltweite Zusammenarbeit dennoch unerlässlich.

Die Autoren: Stefan Kaufmann ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin. Tom Evans ist Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Biotechnologie-Organisation Aeras.

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