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Präsident der HU Berlin gibt auf : Warum Jan-Hendrik Olbertz nicht mehr antritt

Der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, will nicht wieder antreten, weil er sein Kanzler-Modell nicht durchsetzen konnte. Doch an der HU wird auch über andere Gründe gesprochen.

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Jan-Hendrik Olbertz, scheidender Präsident der Humboldt-Universität.
Jan-Hendrik Olbertz, scheidender Präsident der Humboldt-Universität.Foto: Mike Wolff

Lange zögerte er. Jetzt hat sich der Präsident der Humboldt-Universität (HU) entschieden, hinzuwerfen. Jan-Hendrik Olbertz, der die HU seit 2010 leitet, steht für eine weitere Amtsperiode nicht zur Verfügung, wie die Universität am Donnerstagvormittag mitteilte. Er finde keine Mehrheit für sein Anliegen, die Position des für den Haushalt zuständigen Kanzlers der Universität neu einzuführen, begründet Olbertz seinen Schritt. Bis zum turnusmäßigen Ende seiner Amtszeit Mitte Oktober will er im Amt bleiben.

Ein klares Bekenntnis zu einer erneuten Kandidatur hatte Olbertz bisher vermieden – und das, obwohl schon im Februar die offizielle Bewerbungsfrist abgelaufen war. Damals hatte Olbertz lediglich erklärt: „Ich bin grundsätzlich bereit, zu kandidieren.“ Intern hatte Olbertz seine Kandidatur an die Bedingung geknüpft, dass das Konzil der Uni dem Kanzlermodell zustimmt. Die Verantwortung für den Haushalt und die Univerwaltung wollte Olbertz so in eine Hand legen, der bisherige Posten des Vizepräsidenten für Haushalt war ihm nicht mit hinreichend Macht ausgestattet.

"Olbertz' Schritt ist konsequent"

Allerdings hatte sich das Konzil der HU schon im Herbst 2014 gegen Olbertz’ Vorschläge entschieden. Seitdem versuchte Olbertz, die Uni in dieser Frage doch noch hinter sich zu bringen – vergebens. Jetzt teilte er mit, für sein „Kernanliegen, die Wiedereinführung einer Gesamtzuständigkeit und -verantwortung für die zentrale Verwaltung nach dem Kanzlermodell“ gebe es in den Gremien keine Mehrheit. In einer E-Mail an Wissenschaftler und Studierende der HU, die dem Tagesspiegel vorliegt, schreibt Olbertz, der Status quo habe dazu geführt, „dass wesentliche Reformen in der Verwaltung seit Jahren unterblieben sind“. Die Verantwortung dafür, dass das Konzil das Vizepräsidenten-Modell gleichwohl fortsetzt, könne er nicht mittragen.

Noch vor Kurzem waren an der HU die meisten davon ausgegangen, dass Olbertz unbedingt weitermachen wolle, aber auf Zeit spiele, um seine Vorstellungen doch noch durchzusetzen. Dementprechend überrascht reagierte jetzt etwa der Juraprofessor Martin Heger, Vorsitzender des Konzilvorstands: „Ich hatte ihn zuletzt so verstanden, dass er um sein Amt kämpfen will, und im Amt für das Kanzlermodell.“ Die Historikerin Gabriele Metzler hält Olbertz’ Schritt dagegen für „konsequent“. Er habe präzise Vorstellungen, was sich an der HU weiter verändern müsse – die Gremien hätten dem aber nicht in allen Punkten folgen wollen. Sie bedauere Olbertz’ Schritt, sagte Metzler. Ein anderes Universitätsmitglied spricht dagegen von „Fahnenflucht“.

Sein größter Erfolg: Der Elite-Titel für die HU

Der heute 60-jährige Erziehungswissenschaftler Olbertz kam vor knapp fünf Jahren als Präsident an die HU. Vor seiner Wahl war er Kultusminister in Sachsen-Anhalt (parteilos, für die CDU). Er folgte im Präsidentenamt auf den glücklosen Theologen Christoph Markschies. Der größte Erfolg Olbertz’ war zweifellos, dass die HU im Jahr 2012 in der Exzellenzinitiative endlich als „Elite-Uni“ ausgezeichnet wurde. In den ersten Runden des Wettbewerbs 2006/7 war die HU noch durchgefallen, eine Niederlage, die sie in ihrem Selbstverständnis als „Mutter der modernen Universität“ tief getroffen hatte. „Olbertz hat die HU wieder dorthin gebracht, wo man sie erwartet – unter Deutschlands Top-Unis. Dafür steht er und das wird auch nach der Ära Olbertz so bleiben“, sagt HU-Jurist Heger.

Die Historikerin Metzler würdigte, Olbertz habe grundlegende Reformen angestoßen, deren positive Effekte sich jetzt zeigen würden: „Die HU hat jemanden gebraucht, der die Universität in Bewegung setzt.“ Die Politikwissenschaftlerin Julia von Blumenthal sagt, die Effekte der von Olbertz angestoßenen Fakultätsreform seien inzwischen „ganz klar positiv zu sehen“. Olbertz habe auch die internationale Sichtbarkeit gestärkt: Etwa durch den Ausbau strategischer Partnerschaften wie mit Princeton oder der National University of Singapur.

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