Präsidentschaftswahlkampf : Duell an der TU Berlin

Präsident Jörg Steinbach und sein Herausforderer Christian Thomsen debattieren über die Zukunft der TU Berlin. Dabei geht es um die Stimmung im Innern - aber auch Stilfragen werfen die Zuhörer hinterher auf.

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Präsident Steinbach (rechts) und Gegenkandidat Thomsen (links) beim Gespräch am Mittwoch abend in der TU.
Präsident Steinbach (rechts) und Gegenkandidat Thomsen (links) beim Gespräch am Mittwoch abend in der TU.Foto: TU Berlin/J. Ruta

Den Höhepunkt erreichte die Debatte zwischen dem Präsidenten der TU Berlin und seinem Herausforderer gleich am Anfang. Gerade noch hatte Präsident Jörg Steinbach als Erfolg seiner Amtszeit herausgehoben, dass die TU „in der Außenwahrnehmung“ so gut wie nie zuvor dastehe. Das möge ja stimmen, erwiderte der Gegenkandidat Christian Thomsen – um dann zu kontern: „Nach innen ist die Wahrnehmung aber so schlecht wie nie.“ Die „vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Uni“ sei in den letzten Jahren verloren gegangen, allen voran zwischen Wissenschaftlern und Verwaltung. Er werde sich als Präsident für eine neue Kultur des Miteinanders einsetzen.

Steinbach widersprach sofort: Die TU leiste in Forschung und Lehre fast doppelt so viel wie früher, ohne dass es mehr Personal gebe. Das könne man wohl kaum als Zeichen dafür werten, dass im Inneren etwas schieflaufe: „Das muss man doch auch mal positiv anerkennen!“

Der Präsidentschaftswahlkampf an der TU Berlin geht weiter. Zum zweiten Mal vor der Entscheidung Anfang Januar kamen Steinbach und Thomsen zu einer öffentlichen Diskussion zusammen. Dieses Mal ging es um das gesamte Programm der Kandidaten, mehrere hundert Uni-Angehörige hörten zu. Die Kontrahenten standen an zwei Tischen, zwischen ihnen ein Moderator. Eine Mitarbeiterin stoppte die Redezeit und rief diese regelmäßig in den Saal. Schnell lag Steinbach vier Minuten vorne, so dass Thomsen einige Fragen extra beantworten durfte.

Steinbach präsentierte sich eingangs als „waschechter Berliner“ und „Kind der TU“. Passend dazu hatte er eine rote TU-Nadel an sein Revers geheftet. Steinbach hat Chemie an der TU studiert und dort promoviert. Zwischenzeitlich arbeitete er in der Industrie und kam dann als Professor an die TU zurück. „Außer dem Job der Sekretärin und der Handwerker habe ich an dieser Universität schon alles gemacht“, witzelte er. Im Verlauf der Debatte versuchte er mit seinem Bonus als Amtsinhaber zu punkten. Mehrfach betonte er, wie er die Uni erfolgreich durch die angespannte Haushaltslage führe.

Der Physiker Thomsen, seit 1994 an der TU, strich dagegen seine Stationen in Tübingen, Stuttgart, München und an der Brown University (USA) heraus. Er vergaß nicht zu erwähnen, dass seine im Internet gezeigten Experimente „weltweit“ geklickt würden. Anders als bei der Frage nach der inneren Verfasstheit der TU griff er Steinbach sonst eher mit feiner Klinge an.

Und so waren bei vielen Themen gravierende Unterschiede zwischen den Kandidaten gar nicht leicht zu erkennen. Am deutlichsten waren Differenzen bei der Frage nach der Einwerbung von Drittmitteln. Steinbach sprach von einer „gewissen Sättigung“, die Kapazitäten der TU drohten gesprengt zu werden. Das Präsidium müsse auch mal den Mut haben, Nein zu Forschungsanträgen zu sagen, vor allem wenn sie akademisch wenig bringen. Thomsen hält dagegen wenig von einer Beschränkung. In der Lehre gab Steinbach zu, die Reform der Bologna-Reform energischer vorantreiben zu müssen: „Das ist das einzige Wahlversprechen, das ich nicht gehalten habe.“ Thomsen sieht als große Herausforderung in der Lehre die „MOOCs“, die bisher kostenfreien Online-Kurse von US-Elite-Unis. Würden diese sich verbreiten, könne es für die TU schwer werden, die Studierenden bei klassischen Vorlesungen zu halten.

Wer inhaltlich die größeren Akzente gesetzt hatte, darüber waren die Zuhörerinnen und Zuhörer nachher uneins. Sie diskutierten eher über Stilfragen – etwa, dass Steinbach zum Ende hin ein wenig gereizt wirkte. Antworten auf Nachfragen aus dem Publikum leitete er oft mit „Sie müssten eigentlich wissen, dass ...“ ein, was einige als belehrend empfanden. Thomsen machte einen gelasseneren Eindruck. Ein Ergebnis konnte ermittelt werden: Zum Ende stand es bei der Redezeit praktisch unentschieden.

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