Wissen : Privatuni in Not

Jacobs-Hochschule Bremen verkauft Studienplätze an Unternehmen.

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Absolventen der Jacobs-Universität Bremen
Teurer Abschluss. Studierende der Jacobs-Uni zahlen 20 000 Euro pro Jahr Studiengebühren.Foto: picture-alliance/ dpa

Not macht erfinderisch – und abhängig. Die private „Jacobs University Bremen“ (JUB) kämpft seit Jahren ums Überleben und hat jetzt eine Idee entwickelt, wie sie ihre Einnahmen steigern kann: Sie bietet Unternehmen an, nach deren Vorgaben passgenau Manager auszubilden, natürlich gegen gute Bezahlung. „Das ist eine ganz neue Idee, die gibt es bundesweit so noch nirgendwo“, sagte JUB-Präsident Heinz-Otto Peitgen dem Bremer „Weser-Kurier“.

Der 68-jährige ehemalige Mathematikprofessor der staatlichen Universität Bremen steht seit sechs Monaten an der Spitze der privaten JUB, die 2001 zunächst unter dem Namen „International University Bremen“ gegründet wurde. Die damals an der Weser regierende Große Koalition gewährte ihr 118 Millionen Euro als Anschubfinanzierung. Weil das nicht reichte, bewilligte auch die seit 2007 amtierende rot-grüne Koalition kleinere Summen aus Steuergeldern.

Ansonsten sollte sich die Neugründung vor allem aus Studiengebühren und Spenden der Wirtschaft finanzieren. Doch größere Beträge flossen allein von der Jacobs Foundation, einer Stiftung des 2008 gestorbenen Kaffeekönigs Klaus J. Jacobs. Sie spendierte 200 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre. Das ist die angeblich größte Privatspende, die jemals in Europa an eine wissenschaftliche Einrichtung vergeben wurde, reicht aber immer noch nicht zum sicheren Überleben.

Um weitere Geldtöpfe anzuzapfen, will die JUB künftig einen Teil ihrer 1 350 Studienplätze quasi an die Wirtschaft verkaufen – unter dem Projektnamen „Jacobs Talent Pipeline“. „Vor allem exportorientierte Firmen brauchen im Ausland sehr gutes Personal. Und wir bilden genau das aus“, sagte Präsident Peitgen. Die Firmen würden gezielt gefragt: „Was müssen eure Fachkräfte können, und darauf konzentrieren wir uns auch in der Ausbildung.“ Peitgen hofft darauf, innerhalb von zwei Jahren 100 bis 200 solcher Firmenstudienplätze einwerben zu können. Das würde die JUB „finanziell gewaltig nach vorne bringen“.

Die Privathochschule setzt aber auch weiter auf Zuschüsse des extrem verschuldeten Stadtstaates. Im Gespräch sind drei Millionen Euro pro Jahr. Schon im Herbst hatte die rot-grüne Regierung von Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) eine „zeitlich befristete Beteiligung an der Zukunftssicherung der JUB für die nächsten Jahre“ angekündigt – aber von Auflagen abhängig gemacht. Zum Beispiel sollen künftig weniger Professoren für mehr Studierende zuständig sein, nämlich 1:16 statt damals 1:11. Und die Jacobs Foundation soll weiterhin dauerhaft Hilfe leisten, was sie inzwischen grundsätzlich zugesagt hat. Eigentlich sollten die Verhandlungen über weitere Staatshilfen längst abgeschlossen sein, aber die JUB tut sich offenbar noch schwer damit, die Auflagen zu erfüllen. Peitgen sagt: „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“.

Mehr Geld vom Staat könnten allerdings auch die öffentlichen Hochschulen gebrauchen. Wegen auslaufender Mittel will die Fachhochschule Bremen womöglich 600 ihrer 2 000 Anfängerstudienplätze streichen. Die überlaufene Uni Bremen musste kürzlich wegen Raumnot eine Vorlesung mit 450 Teilnehmern in ein benachbartes Tagungshotel verlegen. Die Saalmiete laut Medienberichten: 3 000 Euro pro Tag. Eckhard Stengel

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