Professorinnen : "Großer Nachholbedarf"

Annette Schavan spricht im Interview über ihr Professorinnen-Programm.

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Unterstützung. Bildungsministerin Annette Schavan will der Wissenschaft unter die Arme greifen. -Foto: ddp

Frau Schavan, Bund und Länder fördern mit 150 Millionen Euro für fünf Jahre 200 Professuren eigens für Wissenschaftlerinnen. Welches Signal geht von dem Programm aus?

Unsere hoch qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen müssen auch in den Spitzenpositionen von Wissenschaft und Forschung ankommen. Der bisher erreichte Anteil von 15 Prozent an den Professuren kann schon mit Blick auf die Habilitationsquote von Frauen in Höhe von 22 Prozent nicht zufriedenstellen. Den Hochschulen gehen wertvolle Potenziale verloren, wenn sie es nicht schaffen, diesen Frauen langfristige Perspektiven zu eröffnen. Das Professorinnenprogramm unterstützt Hochschulen, die hierbei aktiv werden wollen.

Die Zahl der Studentinnen in der Ingenieurwissenschaft ist im vergangenen Jahr um 13 Prozent gestiegen, in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften um acht Prozent. Was muss an den Hochschulen passieren, damit diese Trendwende auch auf der höchsten Hierarchiestufe ankommt?

Die Hochschulen müssen die praxisbezogene Ausrichtung der Grundstudiengänge in den Ingenieurwissenschaften und Mentoringprogramme für Studentinnen verstärken. Die konsequente Förderung der Begabungen von jungen Frauen sollte einen wesentlichen Stellenwert in der Profilbildung der Hochschulen haben. Darüber hinaus brauchen wir weibliche Rollenvorbilder in den Spitzenpositionen, wenn wir ihnen glaubhaft Wissenschaft und Forschung als Karrierefeld vermitteln wollen.

Die Hochschulen bewerben sich auch mit ihrem Gleichstellungskonzept. Bewilligt wird die Stelle nur, wenn das Gesamtkonzept stimmt. Warum?

Zum ersten Mal wird die Förderung daran gebunden, dass es auf dem Gebiet der Gleichstellung an den Hochschulen wirklich vorangeht. Diese Fördervoraussetzung stellt sicher, dass nur diejenigen Hochschulen Mittel für Professuren erhalten, die ihre eigenen Gleichstellungsdefizite konsequent bearbeiten.

Gibt es noch Unis oder Fachhochschulen, die bei der Gleichstellung hinterherhinken?

Einige Akteure haben noch einen großen Nachholbedarf. Als Bundesministerin geht es mir darum, die Gleichstellungsbemühungen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen effektiv zu unterstützen. Dies gelingt uns mit dem Professorinnenprogramm sicher.

Die Fragen stellte Amory Burchard.

Annette Schavan (52), ist seit 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Jetzt startet sie ein Programm, mit dem 200 Stellen für Professorinnen geschaffen werden.

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