Psychologie : Rechts vor links

Experimente zeigen: Erfolgt eine Bewegung im Uhrzeigersinn, ist man offener für Neues. „Die Bewegung der Uhrzeiger symbolisiert, dass wir uns der Zukunft nähern“, sagt ein Psychologe.

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Bei den meisten Supermärkten ist der Eingang rechts und der Ausgang links. Der Käufer muss den Einkaufswagen also gegen den Uhrzeigersinn durch den Markt bugsieren, um zur Kasse zu gelangen. Das hat seinen Grund: Viele Menschen haben nämlich einen „Linksdrall“, sie laufen einfach lieber linksherum.

Was den Kunden gefällt, ist gut für den Umsatz. Dennoch kann es sich lohnen, mit der Richtungsregel zu brechen, vor allem für Läden, in denen ein eher ungewöhnliches Sortiment zu finden ist. Diesen Schluss lässt eine Studie aus der Zeitschrift „Social Psychological and Personality Science“ zu. Darin beschreiben Psychologen der Universität Würzburg und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig ein Experiment mit verblüffendem Ausgang.

Sascha Topolinski und Peggy Sparenberg hatten 50 Probanden gebeten, sich Geleebohnen von einem drehbaren Teller auszusuchen. Die Teilnehmer konnten zwischen 16 verschiedenen Aromen wählen, darunter eher traditionelle wie Zitrone, Apfel oder Erdbeere oder ungewöhnliche wie Popcorn, Kaugummi oder Marshmallow. Jede Sorte war mit einem entsprechenden Etikett beschriftet. Die Versuchspersonen sollten nun fünf Sorten aussuchen, die ihnen am meisten zusagten. Um die Beschriftungen lesen zu können, mussten sie den Teller drehen. Bei einigen Teilnehmern ließ sich der Teller nur im Uhrzeigersinn bewegen, bei anderen dagegen ausschließlich in der umgekehrten Richtung. Ergebnis: Die Probanden, die den Teller im Uhrzeigersinn gedreht hatten, wählten häufiger ungewöhnliche Geschmacksrichtungen. Der Unterschied betrug 44 Prozent.

Mit weiteren Versuchen konnten die Forscher diese Beobachtung bestätigen. Stets führten Drehbewegungen „nach rechts“ zu einer höheren Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Warum? „Die Bewegung der Uhrzeiger symbolisiert, dass wir uns der Zukunft nähern“, erläutert Topolinski. „Wenn wir eine gleich gerichtete Bewegung vollführen oder auch nur beobachten, wird in unserem Gehirn unbewusst ein entsprechendes Konzept aktiviert: Wir werden offener für das, was die Zukunft uns bringt.“

Casinobetreiber scheinen sich diesen Zusammenhang intuitiv zu Nutze zu machen, sagt Topolinski. Das Rouletterad drehe sich fast immer im Uhrzeigersinn. „Wahrscheinlich spielen die Besucher dadurch riskanter, also etwa mit höheren Einsätzen“, vermutet er. „Das ist zumindest eine These, der wir gerade experimentell nachgehen.“

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