Rajewsky kommt nach Berlin : Genetiker verlässt die Harvard-Universität

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Foto: MDC
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Unter den unzähligen Ehrungen, die der Mediziner, Immunforscher und Genetiker Klaus Rajewsky, 74, erhalten hat, fehlt eigentlich nur noch der Nobelpreis. Mit dem könnte sich im Fall der Fälle bald auch Berlin schmücken. Denn Rajewsky verlässt die Harvard Medical School in Boston, an der er seit 2001 tätig war, und forscht von Ende 2011 an am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. Hier arbeitet bereits Rajewskys Sohn, Nikolaus Rajewsky. Er wurde aus New York nach Berlin berufen und leitet hier als Nachfolger von Jens Reich das Institut für medizinische Systembiologie, an dem auch die Charité beteiligt ist. Für seine Arbeit am MDC hat Klaus Rajewsky bereits Fördermittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat eingeworben.

„Ich verlasse die Harvard-Universität mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Rajewsky am Donnerstag in einer telefonischen Pressekonferenz. „Die Zeit in den USA hat meinen Horizont unglaublich erweitert.“ Die Zahl der Spitzenforscher in der Bostoner Region sei einmalig, die Weltoffenheit lasse einen frei durchatmen. Auf der anderen Seite entwickle sich die Forschungsfinanzierung in den USA „sehr problematisch“. Die Förderung sei in den letzten zehn Jahren ausgedehnt worden, jetzt stagniere sie oder bröckele sogar. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass Wissenschaftler das Land verlassen und zum Beispiel nach Deutschland gehen, wo viel Geld in die Forschung gesteckt wird“, sagte Rajewsky. Am MDC finde er sehr gute Arbeitsmöglichkeiten vor.

„Deutschland wird im Ausland bereits als Musterland der Forschung gesehen“, sagte MDC-Vorstand Walter Rosenthal. Dazu trage der Pakt für Forschung und Innovation mit seinen regelmäßigen Steigerungsraten in der Wissenschaftsförderung in besonderem Maße bei. „Die Bedingungen sind sehr attraktiv geworden.“ Das MDC verhandle noch mit weiteren Wissenschaftlern.

Rajewsky hatte 2001 nicht zuletzt wegen der strengen Auflagen beim Erreichen der Altersgrenze der Bundesrepublik den Rücken gekehrt. „Es gibt für Forschungseinrichtungen kein Alterslimit“, stellte Rosenthal nun klar, bis 75 könne man einen Anstellungsvertrag bekommen und danach auf Honorarbasis arbeiten. „Die Möglichkeiten hierzulande sind besser, als sie dargestellt werden.“ „Ich bin beeindruckt, dass so etwas in Deutschland möglich ist“, kommentierte Rajewsky.

Von 1964 bis 2001 war der Wissenschaftler am Institut für Genetik der Kölner Universität, das eine unangefochtene Spitzenstellung in Deutschland einnahm. Rajewsky hat zwei Arbeitsschwerpunkte. Zum einen erforscht er die Entstehung von Blut- und Lymphknotenkrebs, zum anderen arbeitet er an Methoden, mit denen Gene gezielt an- und ausgeschaltet werden können, um bei Versuchstieren Krankheiten zu studieren. In Berlin will er auch mit seinem Sohn kooperieren.

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