Raumfahrtstrategie : Deutsche Mondmission in weiter Ferne

Am Dienstag soll die "Raumfahrtstrategie der Bundesregierung" im Kabinett beschlossen werden. Zukunftsweisende Missionen, bei denen Deutschland eine klare Führungsrolle hat, werden nicht genannt. Doch gerade die fordern Experten immer wieder.

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Ein deutscher Roboter auf dem Mond – mit dieser Vision machte der Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), im Sommer 2009 Schlagzeilen. Trotz eines Wahlsiegs seiner Partei wenige Wochen später war die Idee bald wieder vom Tisch. Stattdessen, darauf einigten sich damals Union und FDP, wolle man die gesamten Weltraumaktivitäten Deutschlands analysieren und Ziele für die nächsten Jahre benennen. Nun ist diese „Raumfahrtstrategie der Bundesregierung“ fast fertig. Morgen soll sie im Kabinett beschlossen werden.

Das vom Bundeswirtschaftsministerium koordinierte Papier fokussiert auf die wirtschaftliche Bedeutung der Raumfahrt. Fast zwei Milliarden Euro Umsatz wurden damit 2009 hierzulande erzielt, etwa mit dem Bau von Satelliten. Im europäischen Vergleich ist das Platz 2 hinter Frankreich. Um die Position zu festigen oder gar zu verbessern, sollen die vorhandenen Kompetenzen in der Erdbeobachtung (vor allem Radartechnik), Satellitenkommunikation und -navigation sowie der Robotik gestärkt werden. Das geht aus einem Entwurf hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. „Kommerzielle und strategische Raumfahrt betrifft nationale Standortinteressen und erfordert eigene Kompetenzerhaltung“, heißt es dort.

Was die Weltraumforschung betrifft, wird diese zwar ebenfalls als wichtig erachtet, aber ihre Ziele sind sehr allgemein formuliert. Und es wird mehrfach darauf verwiesen, dass aufgrund hoher Kosten wissenschaftliche Projekte in internationaler Kooperation stattfinden sollen. Zukunftsweisende nationale Missionen oder solche, bei denen Deutschland eine klare Führungsrolle hat, werden nicht genannt. Doch gerade die fordern Experten immer wieder: Solche Missionen demonstrieren, was die hiesigen Fachleute können – und das stärkt die Verhandlungsposition bei anderen multinationalen Vorhaben.

An Ideen für „deutsche Leuchtturmprojekte“ mangelt es nicht. Im Sommer hatten Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Max-Planck-Gesellschaft und weiteren Einrichtungen in einem „Konzept für eine deutsche Raumfahrtstrategie“ viele Punkte genannt, in denen die nationalen Fähigkeiten gestärkt oder entwickelt werden sollten. Von der Erforschung der Sonnenaktivität und deren Auswirkung auf die Erde über das Landen von Robotern auf Mond und Mars bis zu Rückkehrtechniken von Mond und Planeten zur Erde.

Geblieben ist von den konkreten Zielen wenig. Und wenn, so fehlt – etwa bei der Robotik auf anderen Himmelskörpern – der nationale Bezug. Eine deutsche Mondmission sieht das Papier nicht vor. „Ich sehe die dafür nötigen finanziellen Mittel nicht“, sagte Hintze dem Tagesspiegel. „In der Strategie wird der Mond aber ausdrücklich als Forschungsziel genannt.“ Wenn die Pläne einer europäischen Mondlandung vorankommen oder falls die Amerikaner Kooperationspartner suchten, „dann müssen wir reagieren können“, sagte Hintze.

In Bezug auf die Internationale Raumstation (ISS) ist der Entwurf konkreter, die Forschung im Himmelslabor soll bis 2020 unterstützt werden. Eine weitere Verlängerung sei von einer Kosten-Nutzen-Analyse abhängig. „Derzeit gibt es europaweit Probleme mit der bemannten Raumfahrt, vor allem Frankreich und Italien wollen sich zurückziehen“, sagt ein Mitarbeiter der Strategie. „Die Bundesregierung sagt so klar wie kein anderes europäisches Land ,Ja’ zur ISS. Und diese Aussage ist mit einem Budget hinterlegt.“

Das Papier macht aber auch deutlich, dass künftig noch mehr auf den „Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in eine wirtschaftliche Nutzung“ geachtet wird. Der solle – wenn möglich – bereits bei der Entwicklung von Forschungsmissionen berücksichtigt werden.

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