Wissen : Ruf nach der Bundesuniversität

Vorschlag von Wissenschaftsmanager Winnacker

Amory Burchard

Die Diskussion um eine Bundesuniversität lebt wieder auf. 2004 vom damaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann angeregt, wurde das Modell einer vom Bund finanzierten Spitzenhochschule immer wieder aufgegriffen. Als Kandidatin war stets die Humboldt-Universität (HU) im Gespräch. Die Bundespolitik jedoch präsentierte statt dessen 2005 den Exzellenzwettbewerb für die deutschen Universitäten. Nachdem vor zehn Tagen die Entscheidung in der zweiten Wettbewerbsrunde gefallen ist, haben jetzt neun Unis den Elitestatus; die HU ist allerdings leer ausgegangen. Nun plädiert Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates, erneut für die Idee einer Bundesuniversität.

Nur so könnten „eine oder zwei Universitäten in die Weltliga gebracht“ werden, schreibt Winnacker, der 1998 bis 2006 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft war, in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Nachdem die im Elitewettbewerb zur Verfügung gestellten 1,9 Milliarden Euro auf neun Unis verteilt werden müssten, reiche das Geld nicht, einzelne Unis „international sichtbar“ zu machen.

Winnacker hatte sich 2006 dafür ausgesprochen, eine kleinere Zahl von Universitäten als die von der Politik geplanten zehn mit dem Elitestatus auszuzeichnen. Bei der Entscheidung der ersten Wettbewerbsrunde im Oktober vor einem Jahr wurden tatsächlich nur drei Hochschulen gekürt: Die LMU und die TU München sowie die Universität Karlsruhe. „Welche eine oder zwei Universitäten zu Bundesuniversitäten ,erhoben‘ werden“ müssten, sei „ziemlich klar“, schreibt Winnacker, nennt aber keine Namen.

Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner bezieht Winnackers Vorschlag auf seine Pläne zu einer „Superuni“. Die Gründung eines Berliner Forums zur Spitzenforschung und Ausbildung von Masterstudierenden und Doktoranden würde „im Kern das Gleiche erreichen wie Winnackers Vorschlag“, sagte Zöllner dem Tagesspiegel. Durch die Beteiligung der vom Bund finanzierten außeruniversitären Einrichtungen ließen sich „organisatorische und verfassungsmäßige Schwierigkeiten“ der Gründung einer Bundesuni vermeiden. Winnacker, der Zöllner bei seiner „Superuni“ berät, nennt die Pläne des Senators „auch keine schlechte Idee“.

Dass eine vom Bund finanzierte Universität im deutschen Föderalismus kaum möglich wäre, ist Winnacker klar. Er gibt aber zu bedenken, dass die ähnlich organisierte Schweiz bereits zwei Bundesuniversitäten hat – und mit der ETH Zürich sogar eine, die „zu den besten der Welt zählt“.

Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin, die gerade den Elitestatus errang, befürwortet die Gründung einer Bundesuni „grundsätzlich“. Eine Rechtsgrundlage könnte gegeben sein, wenn der Bund die Beratungskompetenz einer Hochschule brauche – und sie dafür teilweise finanziere. Amory Burchard

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