Schmallenberg-Virus : Neue Tierseuche weitet sich aus

Das neu entdeckte Schmallenberg-Virus hat in Deutschland bereits Tiere auf 186 Höfen infiziert - darunter drei in Brandenburg. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Krankheit auf Menschen übertragen kann.

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Dieses kleine Lamm diente dem neuen Virus als Wirt und wurde mit versteiften Gelenken geboren.
Dieses kleine Lamm diente dem neuen Virus als Wirt und wurde mit versteiften Gelenken geboren.

Das neu entdeckte Schmallenberg-Virus wird bei immer mehr Ziegen, Schafen und Rindern nachgewiesen. Inzwischen ist der Erreger in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien aufgetaucht. Allein in Deutschland sind 215 Höfe betroffen. Auch drei Höfe in Brandenburg sind darunter.

Das Virus breitet sich allerdings nur scheinbar aus. „Wir haben es mit einem eingefrorenen Geschehen zu tun“, sagte Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit gestern auf einer Pressekonferenz im Landwirtschaftsministerium. Die Tiere haben sich bereits im Spätsommer und Herbst mit dem Virus infiziert, das vermutlich von Gnitzen übertragen wird. Die Folgen werden aber erst jetzt deutlich: Tiere bringen missgebildete oder totgeborene Kälber und Lämmer zur Welt.

„Wir haben im Moment keine Instrumente, diese Krankheit zu bekämpfen“, sagte Karin Schwabenbauer, Leiterin der Abteilung Tiergesundheit am Ministerium. Es gebe keinen Impfstoff und Sperrmaßnahmen seien sinnlos, weil die Krankheit von Insekten übertragen wird.

Das neue Virus gehört zur Gruppe der Orthobunya-Viren und ähnelt dem in Japan und Nigeria isolierten Shamonda-Virus. Die europäische Seuchenschutzbehörde sieht keine Zeichen dafür, dass das Virus beim Menschen zu Erkrankungen führen kann. Für viele Bauern ist die Seuche allerdings dramatisch:  In manchen Herden ist ein Drittel der neugeborenen Tiere missgebildet. Forscher arbeiten an einem Impfstoff. Der wird aber kaum für die nächste Infektionswelle, die vermutlich im Mai oder Juni beginnt, zur Verfügung stehen.

Das Virus soll als meldepflichtige Krankheit in das Tierseuchengesetz aufgenommen werden. Weil dem aber noch der Bundesrat zustimmen muss, wird das erst im März passieren. Schwabenbauer kündigte an, dass das Tierseuchengesetz demnächst überarbeitet werde. Neu auftretende Krankheiten sollten in Zukunft auch per Eilverordnung in die Liste der meldepflichtigen Krankheiten aufgenommen werden können. (kkp)

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