Studie : Globales Glück

Kriege, Erderwärmung, Wirtschaftskrise – trotz allerlei Gefahren werden die Menschen rund um den Globus immer glücklicher. Wohlstand macht die Menschen zufriedener.

Hannes Heine

Kriege, Erderwärmung, Wirtschaftskrise – trotz allerlei Gefahren werden die Menschen rund um den Globus immer glücklicher. Ein internationales Forscherteam um den US-Politologen Ronald Inglehart von der Universität Michigan hatte seit 1981 im Abstand von mehreren Jahren in 52 Ländern weltweit jeweils rund 1400 Menschen nach ihrem persönlichen Glücksgefühl und nach ihrer Lebenszufriedenheit gefragt. In 45 dieser Länder fühlen sich die Menschen demnach heute glücklicher als in den beschaulichen 1980ern. Wie kommt’s?

Die Antwort ist einfach: Mehr Geld – und die Zuversicht, es möglichst ungehindert ausgeben zu können. Der „World Value Survey“ weckt damit Zweifel an der alten Volksweisheit, dass Geld nicht glücklich mache. So ist kaum verwunderlich, dass die Dänen die glücklichste Nation der Welt sind. Mit 42 000 Euro Bruttoinlandsprodukt pro Kopf waren die Skandinavier 2007 auch eines der reichsten Länder der Welt. Die wohlhabenden Staaten Schweiz, Island, Niederlande und Kanada folgen auf der Zufriedenheitsliste. Schlusslicht ist Simbabwe, wo Hunger und Armut herrschen.

Eine entscheidende Rolle spielt nach Auffassung der Glücksforscher also Wohlstand: Reiche Länder sind tendenziell glücklicher als arme. Die Bewohner der Glücksländer sind wohlhabender, gebildeter, gesünder und seltener arbeitslos. Allerdings: 4 der 52 Staaten wiesen einen Abwärtstrend auf: Österreich, Belgien, Großbritannien – und Deutschland. Wie das, gehören diese vier Länder nicht ebenfalls zu den reichsten der Erde? Das schon, doch nach Auskunft der Forscher im „New Scientist“ (Nr. 2671, Seite 12) nimmt das Glücksgefühl nicht generell mit dem Wohlstand zu. Glücklich mache vielmehr neu gewonnene persönliche Freiheit, die häufig mit einer erstarkenden Volkswirtschaft einhergehe, so die Autoren.

Das könne auch erklären, warum Menschen in vielen osteuropäischen Staaten sich 2007 ebenfalls glücklicher fühlten als rund 25 Jahre zuvor, obwohl manche ihrer Länder heute wirtschaftlich kaum besser dastünden als zu Zeiten der Sowjetunion: Die fortschreitende Demokratisierung habe den Bürgern beglückende Freiheit beschert. In vielen traditionell ärmeren Ländern, in denen aber die Zuversicht auf Wohlstand zunimmt, gaben die Menschen an, glücklicher geworden zu sein. Am stärksten war dies in Mexiko, Indien und Puerto Rico der Fall.

Immerhin ist die Zahl der Suizide in Deutschland auf einen historischen Tiefstand gefallen. Im vergangenen Jahr nahmen sich bundesweit 9402 Menschen das Leben. 1980 waren noch mehr als 18 400 Menschen freiwillig aus dem Leben geschieden. Experten glauben, dass die verbesserte Früherkennung und Behandlung von Depressionen Grund dafür ist.Hannes Heine

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