Studienfinanzierung : Streit um Büchergeld

Die Bafögsätze steigen ein wenig und es soll neue nationale Stipendien in der Höhe von 300 Euro geben – so will es Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Dieses Paket zur Studienfinanzierung enthält eine dritte Erhöhung, die bisher eher nur am Rande beachtet wurde.

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Das Büchergeld, das die Stipendiaten der alten Begabtenförderungswerke erhalten, soll ebenfalls steigen, von jetzt 80 Euro auf 300 Euro. Schließlich sollen die Stipendiaten der Begabtenförderungswerke künftig nicht schlechter gestellt sein als die Studierenden, die eines der neuen Stipendien ergattern. Doch gegen die Erhöhung des Büchergeldes gibt es jetzt überraschenden Widerstand – und zwar von einem Teil der Stipendiaten selbst.

In der Studienstiftung des deutschen Volkes ist eine hitzige Diskussion entbrannt, weil einige geförderte Studierende das Geld gar nicht haben wollen. Da die meisten Stipendiaten ohnehin aus privilegierten Familien kommen, bräuchten sie so viel Geld gar nicht, argumentieren die Gegner der Erhöhung. In einem Diskussionsforum der Studienstiftung heißt es zur Begründung: „Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung als Begünstigte des Bildungs- und Stipendiensystems bewusst. (…) Die Implikationen dieser Maßnahmen schätzen wir als einseitig und fehlgerichtet ein.“ Die aktuelle „soziale Schieflage im deutschen Bildungssystem“ mache vielmehr die Förderung derjenigen notwendig, „die bisher aufgrund ihrer Herkunft von Bildungsteilhabe ausgeschlossen sind“. Eine Steigerung auf 300 Euro erscheine „geradezu dekadent“ angesichts der großen Zahl stipendienloser Kommilitonen sowie unterfinanzierter Kitas und Schulen, schreibt ein Stipendiat. In den anderen Begabtenförderungswerken soll es ähnliche Diskussionen geben.

Von den Stipendiaten der Studienstiftung erhält derzeit die Hälfte ausschließlich das Büchergeld. Die andere Hälfte, die aus bedürftigeren Familien stammt, erhält neben dem Büchergeld ein Stipendium, dessen Höhe vom Einkommen der Eltern abhängt und das an die Bafög-Sätze angelehnt ist. Dass jetzt Kommilitonen für eine Rücknahme des erhöhten Büchergeldsatzes werben, löst bei anderen Stipendiaten Entsetzen aus. Von einem „luxuriösen Leben“ könne bei 300 Euro nun wirklich nicht die Rede sein, kommentiert eine Studentin. Es sei „nicht fair und egozentrisch“ von den Erhöhungsgegnern, bedürftigeren Studienstiftlern die Chance auf mehr Unterstützung zu nehmen. „Mit 300 Euro Büchergeld könnte ich aufhören, zu arbeiten und mich mehr auf die Uni konzentrieren“, kommentiert ein Student.

Um die ärmeren Kommilitonen nicht um das zusätzliche Geld zu bringen, schlagen Stipendiaten jetzt als Alternative die Gründung eines Vereins vor, der Bildungsprojekte unterstützen soll. Der Verein würde sich aus dem Geld finanzieren, dass Stipendiaten aus dem in ihren Augen überflüssigen Büchergeld spenden.

Gerhard Teufel, der Generalsekretär der Studienstiftung, verweist auf Anfrage darauf, dass das Büchergeld seit 1980 nicht verändert worden sei und eine Erhöhung daher überfällig sei. Die Mehrheit der Stipendiaten sei sehr dankbar für die höheren Sätze. Die Hälfte der Geförderten arbeite laut einer internen Umfrage neben dem Studium. Die Studienstiftung habe in der letzten Zeit auch verstärkt Studierende aus nicht akademischen Familien aufgenommen, betont Teufel. Man freue sich aber auch, dass die Studienstiftler „gesellschaftspolitisch denken“.

Das Bundeskabinett wird am 21. April über Bafög, Stipendiensystem und Büchergeld entscheiden, danach müssen noch Bundesrat und Bundestag zustimmen. Tilmann Warnecke

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