Wissen : Studienplätze zu verschenken

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Schleswig-Holstein sieht sich aus finanziellen Gründen außerstande, den Hochschulpakt zu erfüllen und die vereinbarte Zahl von rund 2000 zusätzlichen Studienplätzen ab 2011 zur Verfügung zu stellen. Das Land habe bereits Gespräche mit anderen Bundesländern geführt, um gegebenenfalls Studienplätze auszulagern, bestätigte das Kieler Wissenschaftsministerium am Dienstag. Würde es dazu kommen, wäre dies bundesweit ein Novum, auch wenn der Hochschulpakt solche Absprachen ausdrücklich zulässt.

Zumindest Teilkontingente der ab 2011 jährlich geforderten zusätzlichen Plätze würde Schleswig-Holstein im Zuge seiner Haushaltskonsolidierung gerne abtreten. Aus Niedersachsen liegt dem Vernehmen nach bereits eine Zusage vor, Studierende zu übernehmen. Ein Ministeriumssprecher in Hannover wollte die kursierende Zahl von 1000 Studienplätzen jedoch nicht bestätigen. Eine endgültige Entscheidung will das Kieler CDU/FDP-Kabinett in dieser Angelegenheit am 7. Dezember treffen.

Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) verweist auf die 2011 auf das Land zukommenden Mehrbelastungen durch die Aussetzung der Wehrpflicht. Er rechnet für das Wintersemester 2011/12 nun mit zusätzlich bis zu 1500 Studierwilligen, die über den Hochschulpakt hinaus Platz an den Hochschulen in Schleswig-Holstein finden müssen. Der Minister fordert eine Beteiligung des Bundes an den Kosten.

Unterdessen hat die Landesrektorenkonferenz aufs Schärfste gegen eine Studienplatzverlagerung protestiert und beklagt einen drohenden Imageschaden. Notfalls wolle man dagegen auf die Straße gehen, heißt es im Namen der 13 Hochschulen und Universitäten im nördlichsten Bundesland, wo momentan knapp 9700 Plätze für Studienanfänger angeboten werden. Dieter Hanisch

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