Studierendenprotest : Kissenschlacht gegen Wettbewerb

Berliner Studierende protestieren am Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität gegen Leistungsdruck und Unterfinanzierung

Stefanie Sippel
Alle gegen alle. Studierende am Grimm-Zentrum.
Alle gegen alle. Studierende am Grimm-Zentrum.Foto: Stefanie Sippel

Mit einer Kissenschlacht am Grimm-Zentrum, der Zentralbibliothek der Humboldt-Universität, haben Studierende der FU, der HU und der TU am Dienstagnachmittag gegen den Wettbewerbsdruck an Hochschulen protestiert. „Der gestiegene Druck wird auf dem Rücken der Studenten ausgetragen“, sagte Simon Toewe von der linken Hochschulgruppe la:iz auf Anfrage. Er und weitere Mitglieder der Gruppe haben den Protest organisiert. Durch die modularisierten Studiengänge und die abnehmende Wahlfreiheit im Studium werde der Student zur „marktförmigen Ware“, so Toewe. „Love Bologna“ oder „Exzellenz“ war auf den Kissen zu lesen, mit denen sich etwa 60 bis 70 Studierende bewarfen – auf einem mit neongelbem Band als Wettkampfarena gekennzeichneten Feld. Einige hatten sich Aufkleber mit „HU“, „FU“ oder „TU“ aufgeklebt, und alle zeigten durch massiven Ellenbogeneinsatz gegen die Kommilitonen, wie es an der Uni ihrer Meinung nach zugeht.

Die Kissenschlacht hat eine Vorgeschichte

Aufmerksam machen wollen die Studierenden mit ihrer Aktion auch auf die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. Diese müssten deshalb um Drittmittel, etwa um die begrenzten Mittel der Exzellenzinitiative, konkurrieren. Die Hochschule unterliege dadurch immer mehr den Marktgesetzen, sagt Toewe.

Die Kissenschlacht hat eine Vorgeschickte. Im Rahmen eines Aktionstages von Blockupy, dem Berliner Ableger der Occupy-Bewegung, sollte der Studentenprotest eigentlich bereits am 2. September stattfinden. Schon Tage zuvor hatte die Hochschulleitung der Humboldt-Universität aber die Polizei verständigt, berichtete Toewe. Diese habe die Kissen konfisziert und Platzverweise ausgesprochen: „Heute haben wir einen zweiten Versuch unternommen, da der Protest an Hochschulen wichtig ist und nicht von außen unterbunden werden sollte.“

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