Studierendenvertreter in Berlin : Dutschkes Erben

Weniger Studierende als früher interessieren sich für Politik. Doch noch immer gibt es einige, die sich an ihren Unis engagieren - gegen Zwang, Rassismus und Gebühren. Hier erzählen Berliner Studierende, was sie hochschulpolitisch motiviert.

Empört euch! Studierende der FU Berlin besetzen im November 2012 nach einer Vollversammlung den Akademischen Senat der Uni. Sie wehren sich gegen „Zwangsexmatrikulation“ und Prüfungsdruck in der neuen Rahmenstudien- und prüfungsordnung.
Empört euch! Studierende der FU Berlin besetzen im November 2012 nach einer Vollversammlung den Akademischen Senat der Uni. Sie...Foto: Björn Kietzmann

Politik? – Ach nö! So denken immer mehr Studierende. Die Zahl derer, die sich „sehr stark“ für Politik interessieren, nimmt ab und liegt nur noch bei einem knappen Drittel gegenüber 46 Prozent im Jahr 1993. So haben es Konstanzer Forscher in einer Umfrage unter 29 000 Studierenden an 15 Hochschulen ermittelt. Dass sie an Hochschulpolitik desinteressiert seien, sagten 2004 erst 30 Prozent. Inzwischen sind es 51 Prozent. Für studentische Politik interessieren sich 66 Prozent wenig oder gar nicht, nur fünf Prozent stark. Wir haben einige Aktive gefragt, warum sie sich an der Hochschule politisch engagieren.

Mathias Bartelt (32) studiert Philosophie und Geschichte an der FU – mit höherer zweistelliger Semesterzahl, genauer will er es nicht sagen. Bartelt ist seit 2011 Mitglied im Akademischen Senat der FU, in verschiedenen Initiativen, im Bildungsprotest und im SDS aktiv, allgemein hochschulpolitisch aktiv ist er seit dem Studierendenstreik 2003/2004.

Warum ich mich hochschulpolitisch engagiere? Von Anfang an ging es mir darum, anderen denselben Zugang zu Bildung zu ermöglichen, wie er mir möglich war. Mit dem fast flächendeckenden Numerus clausus und der Bachelor-und-Master-Reform sind die Freiräume immer enger geworden.

Mathias Bartelt.
Mathias Bartelt.Foto: privat

Anfangs hatte ich den naiven Glauben, man könne mit inhaltlichen Argumenten überzeugen. Inzwischen sehe ich, dass die FU ihre antidemokratischen Reformen komplett vollzogen hat. Demokratisches Engagement ist nicht gewollt, das ist gesamtgesellschaftlich so. Die Zeit, die man dazu braucht, wird auch nicht gewährt. Die Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter werden unter massiven Leistungsdruck gesetzt. Insofern war es ein Erfolg, dass sich vor zwei Jahren trotzdem so viele Studierende an der FU gegen die Rahmenstudien- und -prüfungsordnung engagiert haben, selbst wenn wir nicht durchsetzen konnten, dass die Prüfungs- und Notenbelastung gesenkt wird.

Mir ist wichtig, die herrschende Korruption des Wissenschaftsbetriebs und in der Hochschulpolitik offenzulegen, an der FU und darüber hinaus. An der FU wird es im kommenden Jahr darum gehen zu verhindern, dass die in der Exzellenzinitiative geschaffenen Strukturen ohne Diskussion und an der Kontrolle der Gremien vorbei verstetigt werden.

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