Studium : Mehr Wissenschaft im Bachelor

Vorschläge für Reform in Baden-Württemberg: Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) hat die Universitäten zur Rückbesinnung auf ein breites akademisches Studium aufgefordert.

Dies gelte auch für die Bachelor-Studiengänge. „Wir haben Bachelorstudiengänge, die horizontverengend wirken statt horizonterweiternd“, sagte Frankenberg am Montag bei einem Bologna-Kongress in Stuttgart.

Die vom Bachelor geforderte Beschäftigungsfähigkeit („Employability“) sei oft missverstanden worden. Es könne im Studium nicht um direkte Berufsvorbereitung gehen, im Mittelpunkt müsse vielmehr die Vermittlung methodischen Wissens stehen. Der Minister bemängelte auch den Trend zu Zusatzqualifikationen im Studium, etwa in Präsentationstechniken und anderen sogenannten Soft Skills. Teamfähigkeit und Vortragsstil könnten auch in den wissenschaftlichen Seminaren trainiert werden. Ausbauen müssten die Hochschulen aber Freiräume „zum selbstbestimmten Studium“.

Frankenberg rechnet bereits mit dem vom Bund zugesagten Geld für bessere Lehre. Damit ließen sich Einführungssemester und ähnliche Angebote finanzieren, sagte der Minister. Das Land hat einen eigenen Wettbewerb für ein Studium in individueller Geschwindigkeit ausgeschrieben. Bei dem Kongress sprach sich auch Bildungsexperte Hans Weiler von der Universität Stanford für solche Programme aus. „Die deutschen Hochschulen haben die Chancen einer grundlegenden Neuorientierung ihrer Studienangebote nicht genutzt“, sagte er. Nötig sei mehr Flexibilität. Die Angebote müssten sich noch mehr differenzieren – etwa in forschungs- und berufsorientierte. Frankenberg sieht berufsnahe Angebote dagegen als vorrangige Aufgabe der Berufsakademien und Fachhochschulen.

Die baden-württembergischen Hochschulen haben die auf dem Kongress vorgestellte Richtung der Entwicklung teils schon aufgenommen: Die Universität Heidelberg hebt 15 ihrer Bachelor-Studiengänge als zu stark spezialisiert wieder auf. Künftig sollten größere Einheiten „eine breite wissenschaftliche Ausbildung sicherstellen“, begründete dies eine Uni-Sprecherin. Die Uni Konstanz plant als Pilotprojekt ein zweisemestriges Einführungsstudium. fvb

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